Klimapolitik als Korruption? Der gefährliche Populismus der Verharmlosung

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

velez-malaga

Klimapolitik als Korruption? Der gefährliche Populismus der Verharmlosung

von Redaktion

Es ist ein abgedroschenes Muster der Angstmache: Komplexe Realitäten werden zu einfachen Feindbildern verdichtet. In einer Rede im andalusischen Vélez-Málaga hat Santiago Abascal, Chef der rechten Partei VOX, diese Taktik nun auf die Spitze getrieben. Laut einem Bericht von Axarquía Plus erklärte er den Kampf gegen den Klimawandel kurzerhand zum „Fanatismus“ und stufte ihn gar als „Akt der Korruption“ ein, der „ruiniert“ und „tötet“. Diese Rhetorik ist mehr als nur polemisch – sie ist brandgefährlich und entlarvt eine Strategie, die wissenschaftliche Erkenntnisse durch populistische Hetze ersetzen will.

Die gefährliche Gleichsetzung: Klimaschutz als Todesursache

Abascals Argumentation folgt einer erschreckend simplistischen Kausalkette. Er erinnerte an einen großflächigen Stromausfall in Spanien vor einem Jahr und monierte das Fehlen von Erklärungen und Rücktritten. Diesen Vorfall, dessen Ursachen technischer und infrastruktureller Natur sein dürften, verknüpft er direkt mit Umweltpolitik. Noch dreister wird es, wenn er behauptet, der „Klimafanatismus“ habe bei der tödlichen „DANA“-Unwetterkatastrophe und beim besagten Blackout „getötet“. Die Gleichung lautet: Regierungspolitik = Fanatismus = Korruption = Tod. Diese pauschale Anklage instrumentalisiert tragische Ereignisse zynisch für den politischen Kampf und untergräbt jede sachliche Debatte über notwendige Energie- und Infrastrukturanpassungen.

Die Inszenierung als Opfer und der Angriff auf die Mitte

Neben der inhaltlichen Verdrehung dient der Auftritt der Selbstinszenierung. Abascal beklagt eine angebliche, vom Innenministerium geduldete „orchestrierte“ Gewalt gegen Kritiker der Regierung. Gleichzeitig greift er den andalusischen Regionalpräsidenten Juanma Moreno an, weil dieser sich nicht klar genug positioniere. Die Kritikpunkte sind dabei bewusst plakativ gewählt: Das „Ausreißen von Olivenbäumen für Solarplatten“ soll die vermeintliche Naturfeindlichkeit der Energiewende symbolisieren. Hier zeigt sich das typische VOX-Spiel: Man stellt sich als einzig wahre Opposition dar und diffamiert gemäßigtere Konservative als Komplizen des verhassten „Systems“.

„Nationale Priorität“: Ein Euphemismus für Diskriminierung

Besonders aufschlussreich ist Abascals Befürwortung der sogenannten „nationalen Priorität“. Was er als „gesunden Menschenverstand und Gerechtigkeit“ verkauft, ist in Wahrheit ein klassisch rechtspopulistisches Konzept, das soziale Rechte nach Herkunft sortieren will. Seine Aussage, dass „die bescheidensten Spanier“ beim Zugang zu Hilfen und Sozialwohnungen diskriminiert würden, kehrt die Realität um. Nicht die Zuwanderer sind das Problem struktureller Knappheit, sondern eine Politik, die eben jene öffentlichen Systeme jahrzehntelang hat verkümmern lassen. Die Lösung kann nur im Ausbau, nicht in der Ausgrenzung liegen.

Die Rede in Vélez-Málaga ist kein isolierter Ausrutscher. Sie ist programmatisch. Indem Abascal Klimaschutz zur korrupten Ideologie erklärt, schafft er einen Feind, gegen den alle Mittel recht zu sein scheinen. Er leugnet nicht nur die wissenschaftliche Basis der Klimakrise, sondern erklärt jene, die darauf reagieren wollen, zu moralisch Verwerflichen. Diese Haltung ist kein Konservatismus, sondern ein fundamentaler Angriff auf die rationale Politik und den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die eigentliche „korrupte“ Handlung ist es, Zukunftsfragen für kurzfristige Wahlgewinne zu opfern und dabei die Sicherheit aller zu gefährden.

Quellenangabe: Die zitierten Aussagen stammen aus einem Bericht des Nachrichtenportals Axarquía Plus über die Rede von Santiago Abascal in Vélez-Málaga.