Juan de Mesa: Erste große Retrospektive in Sevilla

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Sevilla

Juan de Mesa: Erste große Retrospektive in Sevilla

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Ein Triumph der Barockkunst: Sevilla ehrt Juan de Mesa

Wer die Kunst des spanischen Barock verstehen will, führt an Juan de Mesa kein Weg vorbei. Der Bildhauer aus Córdoba, der 1627 im Alter von nur 44 Jahren starb, schuf einige der eindringlichsten Christusdarstellungen der Geschichte. Doch während sein Lehrmeister Juan Martínez Montañés längst zum Übervater der andalusischen Bildschnitzerei stilisiert wurde, blieb de Mesa oft im Schatten. Das ändert sich nun schlagartig: Das Museum der Schönen Künste in Sevilla präsentiert ab dem 18. November die erste große Retrospektive über den Künstler – eine Ausstellung mit 47 Werken aus rund 30 Institutionen, wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet.

Ein Künstler zwischen Frömmigkeit und Virtuosität

Die Schau ist nicht weniger als eine kunsthistorische Sensation. Zahlreiche Meisterwerke de Mesas, die sonst in Kapellen, Klöstern und Prozessionen ihr Publikum finden, werden erstmals in einem einzigen Raum versammelt. Kulturministerin Patricia del Pozo würdigt die Ausstellung als Weg durch das gesamte Schaffen des Bildhauers – von den ersten Arbeiten bis zu den letzten Aufträgen. Dabei beleuchtet die Retrospektive auch unbekannte Facetten: seine Werke für private Andachtsräume und abgeschiedene Konvente.

Besonders berührend ist die Gegenüberstellung der drei großen Kruzifixe de Mesas: der Cristo de la Vera Cruz aus Las Cabezas de San Juan, der Cristo de la Buena Muerte der Studentenbruderschaft und der Cristo de la Conversión aus der Bruderschaft von Montserrat. Gerade diese Darstellungen des leidenden Christus machten den Künstler unsterblich – sie verbinden eine fast schmerzhafte Expressivität mit einer bemerkenswerten anatomischen Präzision.

Dialog mit den Größen seiner Zeit

Die Schau begnügt sich indes nicht mit einer reinen Werkschau. Sie stellt de Mesa in den Kontext seines künstlerischen Umfelds. Gemälde von Juan de Uceda und Francisco de Zurbarán sowie eine Skulptur des heiligen Josef mit Kind von Juan Martínez Montañés verdeutlichen die gegenseitige Beeinflussung der Meister. Wer verstehen will, wie der junge de Mesa zwischen 1606 und 1610 in der Werkstatt von Montañés sein Handwerk erlernte, bekommt hier eine anschauliche Lektion in Kunstgeschichte.

Die Ausstellung ist auf zwei Bereiche verteilt: In der ehemaligen Kirche des Klosters La Merced werden die Kruzifixe im Dialog mit Murillos Gemäldeserie aus dem Kapuzinerkloster gezeigt – ein dramaturgischer Kniff, der die barocke Inszenierungswut dieser Epoche erlebbar macht. Die zweite Halle versammelt die Darstellungen des Jesuskindes und der Heiligen der Gegenreformation und endet mit der berühmten Virgen de las Angustias aus Córdoba.

Leihgaben aus ganz Spanien

Dass diese Ausstellung überhaupt möglich wird, ist der Großzügigkeit der Leihgeber zu verdanken. Sie reichen von Bruderschaften und Gemeinden über das Museum der Schönen Künste in Córdoba und das Nationale Skulpturenmuseum in Valladolid bis hin zu Kirchengemeinden in Sevilla, Córdoba, Huelva, Cádiz und Madrid. Sie alle haben Werke abgegeben, die in vielen Fällen von tiefer Volksfrömmigkeit umgeben sind. Wer die Ausstellung besucht, sollte sich darüber im Klaren sein: Diese Kunstwerke sind keine austauschbaren Museumsstücke, sondern Objekte von nahezu magischer Anziehungskraft, die bis heute das religiöse Leben Andalusiens prägen.

Kritiker mögen einwenden, dass eine solche Retrospektive die Werke aus ihrem ursprünglichen Kontext reißt. Doch gerade diese Bündelung ermöglicht das Verständnis für die erstaunliche Bandbreite de Mesas – vom schmerzerfüllten Kruzifix bis zur zarten Darstellung des Jesusknaben. Es ist ein Glücksfall für die Kunstgeschichte, dass das Gedenkjahr zum 400. Todestag diese einmalige Gelegenheit schafft, de Mesas Genie in seiner ganzen Fülle zu erfahren.

Das Museum der Schönen Künste in Sevilla zeigt „Juan de Mesa (1583–1627)“ vom 18. November bis in das kommende Jahr. Die Ausstellung vereint Leihgaben aus rund 30 Institutionen in ganz Spanien.


Quelle: europapress.es

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