
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Hantavirus: Übertragung nur bei Symptomen möglich
Virologe bewertet Risiko als minimal
In der aktuellen Debatte um einen Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff stellt ein führender Experte klar: Eine Weitergabe des Erregers durch Personen ohne Krankheitszeichen ist nach dem derzeitigen Wissensstand nicht möglich. Professor José Antonio López, Inhaber des Lehrstuhls für Mikrobiologie und Leiter der Neurovirologie-Gruppe an der Universidad Autónoma de Madrid, widerspricht damit einer seiner Ansicht nach überhöhten öffentlichen Alarmbereitschaft.
Keine Übertragung ohne Symptome
„Wenn keine Symptomatologie vorliegt, ist die Möglichkeit einer Virusübertragung gleich null“, zitiert die Zeitung „20 minutos“ den Virologen wörtlich. Diese Einschätzung bildet die Grundlage für seine Bewertung, dass die derzeitige Situation eine „sehr viel höhere“ Alarmstufe generiere, als es das reale Risiko rechtfertige. Alle an Bord des betroffenen Schiffes befindlichen Passagiere seien asymptomatisch. López plädiert daher dafür, diese Personen als „Passagiere und nicht als Patienten“ zu betrachten, solange keine klinischen Anzeichen auftreten.
Schutzmaßnahmen und Übertragungswege als beruhigende Faktoren
Das geplte Protokoll für die Evakuierung und weitere Betreuung sieht nach Angaben des Professors den Einsatz vollständiger persönlicher Schutzausrüstung (EPI) und Masken bei allen beteiligten Kräften vor. Unter diesen Bedingungen sei eine Ansteckung während der Maßnahmen „so gut wie unmöglich“. Hinzu kommen virologische Eigenschaften des Hantavirus, die eine Ausbreitung deutlich erschweren. Anders als etwa beim Coronavirus gebe es keine anhaltende Übertragung über die Luft. Als „engen Kontakt“, der für eine mögliche Übertragung zwischen Menschen nötig wäre, definiert López eine Distanz von unter 50 Zentimetern über einen Zeitraum von 15 bis 20 Minuten.
Hauptrisiko bleibt der Kontakt mit Nagetieren
Der Wissenschaftler betont, dass die „sehr geringe“ Fähigkeit des Virus, von Mensch zu Mensch weitergegeben zu werden, das Hauptrisiko weiterhin bei der Exposition gegenüber kontaminierten Rückständen von Nagedetieren belässt. Das höchste Infektionsrisiko tragen demnach Personen, die direkt erkrankte Patienten behandeln, mit ihnen in geschlossenen Räumen leben oder kontaminierte Flächen bearbeiten. „Wir haben es nicht mit einem Virus zu tun, das sich asymptomatisch und mit großer Effizienz überträgt“, stellt López klar. Er geht davon aus, dass die Gesundheitsbehörden eine epidemiologische Überwachung über mehrere Wochen aufrechterhalten werden.
Positive Prognose für den weiteren Verlauf
Obwohl die Möglichkeit bestehe, dass asymptomatische Personen positive Testergebnisse zeigen könnten, hält der Virologe das wahrscheinlichste Szenario für den Fall des Kreuzfahrtschiffs für ein Ausbleiben neuer, mit dem Vorfall assoziierter positiver Fälle. „Ich wette auf Optimismus und denke, dass sie keine Symptome entwickeln werden“, schließt Professor López seine Einschätzung. Die lange, symptomfreie Zeit der Passagiere nach etwa zwei Wochen in der Isolation wertet er als starkes Argument für die Sicherheit der geplanten Ausschiffung.