Hantavirus: Eine Woche nach dem Kreuzfahrtschiff-Drama

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Hantavirus: Eine Woche nach dem Kreuzfahrtschiff-Drama

von Sabine Keller

Eine Woche der Isolation – das Protokoll wird strikt befolgt

Sieben Tage sind vergangen seit dem dramatischen Zwischenstopp des Kreuzfahrtschiffs MV Hondius in Tenerife. Die Bilanz ist klar: Der Gesundheitsalarm bleibt aktiv. Während der einzige bisher positiv auf Hantavirus getestete Spanier – ein 70-jähriger Mann – sich in der Unidad de Aislamiento y Tratamiento de Alto Nivel (Uatan) in Madrid befindet und laut Angaben des Gesundheitsministeriums stabil ist und sich verbessert, sitzen die anderen 13 spanischen Passagiere in Einzelzimmern des Hospital Gómez Ulla fest. Sie sind symptomlos, doch ihr Aufenthalt kann sich laut dem von der Comisión de Salud Pública genehmigten Ausbruchsprotokoll auf bis zu 42 Tage verlängern, also bis zum 21. Juni.

Eine neue PCR-Testung steht für diese Gruppe am Montag an. Das Ergebnis bestimmt ihren weiteren Weg: Bei Negativität dürfen sie, unter strengen Schutzvorkehrungen wie FFP2-Masken und EPI-Schutzkleidung für Besucher, sogar Gemeinschaftsbereiche nutzen. Ein positiver Test würde jedoch, unabhängig von Symptomen, den Übertritt in die Hochisolationsstation bedeuten. Eine erste Lockerung ist nach 28 Tagen möglich: Die Isolation könnte dann unter bestimmten Voraussetzungen zu Hause fortgesetzt werden.

Kontakte über Grenzen – die Spur des Virus ist lang

Das Drama des Kreuzfahrtschiffs hat ein internationales Netz von Kontaktpersonen hinterlassen. Neben den 14 Spaniern befinden sich auch zwei Frauen aus Barcelona und Alicante in Quarantäne. Sie hatten denselben Flug von Johannesburg nach Amsterdam wie die später verstorbene niederländische Patientin. Beide sind nach Angaben ihrer jeweiligen Krankenhäuser bis heute asymptomatisch und hatten negative PCR-Tests. Trotzdem sieht das Protokoll für sie ebenfalls eine 42-tägige Isolation vor.

Der Fall zeigt, wie grenzenlos Gesundheitsrisiken geworden sind. Eine französische Passagierin, die auf einem Charterflug aus Tenerife zurückkehrte, entwickelte nach der Ankunft Symptome und liegt nun in kritischem Zustand mit einem schweren cardiopulmonaren Bild in der Intensivstation. Sie wird palliativ behandelt und ist an eine ECMO-Maschine (einem künstlichen Lungenersatz) angeschlossen. Ihre Landsleute aus dem Schiff sind zwar negativ, aber ebenfalls unter Quarantäne.

WHO gibt Orientierung – Risiko bleibt "gering"

Die World Health Organization (WHO) hat die Lage am Donnerstag zusammengefasst: Sie zählt insgesamt 11 positive Hantavirus-Fälle in diesem Ausbruch, dessen Ursprung wahrscheinlich ein niederländisches Paar war, das vor der Kreuzfahrt in Argentinien reiste. Beide sind verstorben. Trotz der dramatischen einzelnen Fälle stellt die WHO klar: Das Risiko für die generelle Bevölkerung bleibt gering. Die Organisation betont jedoch, dass alle involvierten Länder die Kontaktnachverfolgung der mit dem Schiff verbundenen Fälle intensiv fortsetzen – einschließlich der Passagiere, die auf St. Helena, in Kap Verde und in Tenerife an Land ging.

Das Schiff selbst, die MV Hondius, ist mittlerweile Richtung Rotterdam, dem größten europäischen Hafen, weitergefahren. An Bord befinden sich noch 25 Crewmitglieder sowie ein Arzt und eine Krankenschwester der WHO. Alle werden ebenfalls einer Quarantäne unterzogen. Die Reise ist vorbei, die gesundheitliche Nachbereitung dauert an.

Quellen: Angaben des spanischen Ministeriums für Gesundheit (Ministerio de Sanidad), des Hospital Gómez Ulla in Madrid, des Hospital Clínic in Barcelona sowie der World Health Organization (WHO).


Quelle: 20minutos.es