Guardia-Civil-Spitze unter Beschuss

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Guardia-Civil-Spitze unter Beschuss

von Sabine Keller

Ein Skandal, der nach oben wächst

Was sich da im Untergrund des politischen Madrids zusammenbraut, ist kein Kavaliersdelikt. Es ist ein Angriff auf die Rechtsstaatlichkeit selbst. Richter Santiago Pedraz hat jetzt die Spitze der Guardia Civil vorgeladen: Mercedes González, die Generaldirektorin, und Manuel Llamas, den operativen Adjutanten. Die Anklagepunkte: mutmaßliche Vorteilsnahme und Behinderung der Justiz. Die beiden sollen am 16. Juli in der Audiencia Nacional aussagen – und das ist mehr als eine Formalie.

Die Spur führt zur „Klempnerin“

Im Zentrum des Falls steht Leire Díez, jene Frau, die in den Medien gern als „Fontanera“ – als Klempnerin – bezeichnet wird. Angeblich soll sie ein Schattensystem für die Regierung betrieben haben. Die Ermittlungen der UCO (der zentralen Ermittlungseinheit der Guardia Civil) zeigen: Die Generaldirektorin González traf sich mehrfach mit Díez. Die wiederum prahlte damit, „Vertrauen“ zur höchsten Polizeichefin zu haben. Und was macht man mit so viel Vertrauen? Man versucht, die Ermittler zu kaltstellen, die gegen das Regierungsumfeld arbeiten.

Druck auf die eigenen Leute

Die Aussage des ehemaligen UCO-Chefs Rafael Yuste ist ein Beleg für systemische Einflussnahme. Er berichtete von massivem Druck durch Llamas, sich in politisch heiklen Fällen „de perfil“ zu halten – also stillzubleiben. Und Leonardo Marcos, der damalige Guardia-Civil-Chef, soll einen UCO-Bericht zum Bruder des Ministerpräsidenten als „prospektiv und bösartig“ verrissen haben. Die Botschaft war klar: Haltet die Füße still, oder die Glaubwürdigkeit der ganzen Truppe sei „im Keller“. Wie die Zeitung 20minutos berichtet, sind diese Äußerungen und Handlungen jetzt aktenkundig.

Die Gegendarstellung: Glaube, Liebe, Hoffnung?

Mercedes González hat sich im Senat tapfer gewehrt. „Kein Druck, keine Beeinflussung durch Díez, keine Weisheit aus der Schattenwelt“, so die Beteuerungen. Aber die Frage bleibt: Warum dann die Treffen? Warum die ominösen Gespräche? Und warum wird ausgerechnet jetzt versucht, die Aussage einer wichtigen Zeugin – der Unternehmerin Carmen Pano – zu manipulieren? Der Versuch, Pano durch ihre Anwältin zum Schweigen zu bringen, ist ein weiteres Puzzlestück, das ins Bild passt: Hier wird nicht nur geflunkert, hier wird aktiv versucht, die Justiz zu lenken.

Fazit: Nicht kleinzureden

Dieser Fall ist kein Randnotiz. Es geht um die Frage, wie weit eine Regierung bereit ist zu gehen, um unliebsame Ermittlungen zu stoppen. Die Anklage der Guardia-Civil-Spitze ist ein starkes Signal: Die Justiz lässt sich nicht einschüchtern. Ob die Angeklagten tatsächlich schuldig sind, wird die Verhandlung zeigen. Aber der Verdacht wiegt schwer – und die Beweislage wird immer klarer. Die Republik sollte genau hinschauen, wer da im Dunklen nach den Hebeln greift.


Quelle: 20minutos.es