Geldverbrennung mit System

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Spanien

Geldverbrennung mit System

von Sabine Keller

Die ewige Verlängerung des Ausnahmezustands

Man kennt das Ritual: Die Regierung lässt ein Maßnahmenpaket bis zur letzten Minute offen, um dann kurz vor Ablauf – wie berichtet – mit großer Geste die Verlängerung zu verkünden. Dieses Mal trifft es die Steuersenkungen auf Benzin und Diesel, die eigentlich zum 1. Juli auslaufen sollten. Doch statt einer ehrlichen Debatte über Sinn und Unsinn solcher Dauerrabatte wird wieder einmal das Gespenst des Iran-Krieges bemüht.

Die Rechnung ist einfach: Solange die Bürger an der Tankstelle weniger zahlen, soll niemand fragen, wer das eigentlich bezahlt. Die Antwort liegt auf dem Tisch: Die Steuerzahler. 2,5 Milliarden Euro kostet der Staat diese Subvention jährlich – Geld, das für Investitionen in Infrastruktur, Bildung oder die längst überfällige Energiewende fehlt.

Die Mär vom erfolgreichen Schutzschild

Das Wirtschaftsministerium preist den „Erfolg“ der Maßnahmen: Die Inflation sei um einen Prozentpunkt gedämpft worden, die Wirtschaft wachse trotz allem. Doch wer genauer hinsieht, erkennt das Märchen. Die Energiepreise sind gefallen, die Steuersenkung wirkt längst nicht mehr wie erhofft. Der Preis an der Zapfsäule ist im letzten Monat um 16 Prozent gestiegen – während die Regierung weiter die Steuern senkt. Ein Paradox, das nur eines zeigt: Diese Politik ist nicht mehr als eine teure Beruhigungspille.

Die Bank von Spanien hat ihre Inflationsprognose für 2027 auf 3,6 Prozent nach oben korrigiert. Die wirtschaftliche Erholung schwächelt, der private Konsum bricht ein. Und ausgerechnet jetzt pumpt die Regierung Milliarden in eine Maßnahme, die weder strukturell wirkt noch die wirklich Bedürftigen erreicht. Der Spritrabatt nützt vor allem Vielfahrern und Unternehmen – nicht den Rentnern oder Geringverdienern, die gar kein Auto besitzen.

Was wirklich auf dem Spiel steht

Die neue makroökonomische Prognose, die am Montag vorgelegt wird, soll die Grundlage für den Haushalt 2028 liefern. Doch statt ehrlicher Zahlen wird wieder Schönfärberei betrieben. Die Steuereinnahmen sind auf Rekordniveau – 325 Milliarden Euro im letzten Jahr –, doch das Geld wird in teure Wahlgeschenke gesteckt, statt Schulden abzubauen oder die Wirtschaft zukunftsfähig zu machen.

Die finanzielle Autorität AIReF hat bereits angedeutet, dass die gute Konjunktur im zweiten Quartal eine leichte Korrektur nach oben erlaubt. Das ist die perfekte Ausrede, um weiterzumachen wie bisher. Doch die Rechnung wird später präsentiert – wenn die nächste Krise kommt und der Staat kein Geld mehr hat, um wirklich zu helfen.

Fazit: Ein Schutzschild aus Pappe

Die Verlängerung der Steuersenkungen ist kein Zeichen von Verantwortung, sondern von politischer Kurzsichtigkeit. Die Regierung weigert sich, den Bürgern die Wahrheit zu sagen: Dass die Kosten dieser Krise letztlich alle tragen werden – nur später und mit Zinsen. Wer jetzt weiter Subventionen verteilt, statt in echte Transformation zu investieren, handelt fahrlässig.

Quellen: Banco de España (Inflationsprognose Mai 2027); AIReF (Konjunkturprognose Juni 2027); Ministerio de Hacienda (Steuereinnahmen 2026, Kostenschätzung der Anti-Krisen-Maßnahmen)


Quelle: 20minutos.es