Florentino Pérez und die Grenzen der Macht

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Florentino Pérez und die Grenzen der Macht

von Jonas Beck

Eine Befragung als Zäsur

Am 29. September 2014 fand in den Räumen der Antikorruptionsstaatsanwaltschaft in Madrid eine Zeugenbefragung statt, die exemplarisch für die Machtdynamik um Florentino Pérez steht. Geladen war der Präsident von Real Madrid als Zeuge im Kontext der Ermittlungen zum Immobilienskandal um das Krankenhausprojekt Son Espases auf Mallorca. Anwesend waren der mallorquinische Staatsanwalt Pedro Horrach und Antonio Cerdá, damaliger Leiter der Policía Judicial. Der Vorwurf, wie aus Justizkreisen und einer vertrauenswürdigen Quelle mit direkter Kenntnis der Ereignisse hervorgeht, lautete auf mögliche Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe des Großprojekts, die letztlich dem Baukonzern ACS von Florentino Pérez zugutekamen.

Pérez erschien zur Vernehmung in einer Haltung, die laut Protokoll und Aussagen Beteiligter von offener Geringschätzung geprägt war. Er soll erklärt haben: "Ich weiß nicht, was ich hier mache, wozu dieses Verhör dient. Neulich war ich noch mit dem Generalstaatsanwalt des Staates zusammen." Diese Aussage, berichtet ein mit dem Verfahren vertrauter Beamter, sollte die Befragung von vornherein unterminieren und die eigene Unantastbarkeit demonstrieren.

Die Reaktion der Justiz

Staatsanwalt Pedro Horrach ließ sich auf diese Inszenierung nicht ein. Anders als viele Gesprächspartner des Unternehmers in der spanischen Öffentlichkeit wich er nicht zurück, sondern insistierte auf die korrekte Verfahrensdurchführung. Der Konflikt eskalierte derart, dass Horrach nach Zeugenaussagen zeitweise daran dachte, die Befragung abzubrechen und den Raum zu verlassen. Nur das besonnene Eingreifen von Antonio Cerdá, der dem Staatsanwalt beruhigend die Hand auf die Schulter legte, deeskalierte die Situation vorübergehend. Diese Episode illustriert einen seltenen Moment, in welchem die Autorität des Amtes auf eine selbstgewisse Privatmacht traf, die gewohnt ist, Regeln zu diktieren, nicht sie zu befolgen.

Historische Parallelen und ein gefestigtes Verhaltensmuster

Die Ereignisse von 2014 sind kein isolierter Vorfall, sondern fügen sich in ein konsistentes Bild, das bereits Jahrzehnte zuvor erkennbar war. In einem Off-the-Record-Gespräch während eines seiner ersten Interviews als Vereinspräsident, geführt von diesem Autor in Begleitung des Journalisten Antonio Ruiz, äußerte Pérez bereits ähnliche Ressentiments. Auf die damalige Medienkritik angesprochen, fragte er rhetorisch und wütend: "Was dachte sich José María García, dass ich wie die anderen sein und mir Vorschriften machen lassen würde?" Diese Einstellung manifestierte sich auch in seinen geschäftlichen Aktivitäten. Bereits in den Anfangsjahren bei ACS trat er weniger als CEO, sondern vielmehr als Eigentümer auf, was zu Spannungen mit den Hauptaktionären, den diskreten Brüdern March, führte. Deren ernüchternde Feststellung lautete, wie aus vertrauten Wirtschaftskreisen überliefert ist: "Aber er ist doch unser Angestellter."

Seine Verbindungen zu Mallorca, Schauplatz des Son-Espases-Projekts, waren stets von Ambivalenz geprägt. Einerseits behauptete er in privaten Gesprächen, keine feste Residenz auf der Insel aufgrund der hohen Preise zu unterhalten – eine Aussage, die vor dem Hintergrund seiner späteren Erwerbungen bemerkenswert ist. Andererseits erwarb er schließlich ein Anwesen mit Heliport in Andratx, das später an Michael Schumacher verkauft wurde. Sein Aufenthalt auf der Insel war von geschäftlichen und gesellschaftlichen Verflechtungen geprägt, etwa gemeinsamen Essen mit dem Hotelier und Aktionär Miguel Fluxá. Bei einer solchen Gelegenheit, so berichtet ein anwesender Vertrauter, ignorierte Pérez demonstrativ den vorbeikommenden, bereits in Ungnade gefallenen Ex-Ministerpräsidenten Jaume Matas, was Fluxá verblüffte. Auf die Nachfrage "Grüßt du ihn nicht?" folgte eine bis heute nicht öffentlich gemachte Antwort.

Die Kontinuität des Kontrollanspruchs

Die jüngsten öffentlichen Auftritte von Florentino Pérez, in denen er vehement seinen alleinigen Anspruch auf sportliche Entscheidungen beim Fußballclub Real Madrid verteidigte, überraschen daher nur diejenigen, die seine Geschichte nicht kennen. Das Muster ist identisch: Die Ablehnung externer Einmischung, die Inszenierung eigener Souveränität und die aggressive Zurückweisung vermeintlicher Grenzen seiner Autorität. Die Befragung durch Pedro Horrach im Jahr 2014 stellt in dieser Biografie einen signifikanten Moment dar, denn sie zeigt die seltene Konfrontation dieses Anspruchs mit einer unbeugsamen institutionellen Gegenkraft. Der Untersuchungsrichter setzte damals, wenn auch nur vorübergehend, eine Grenze. Die Frage, wer in solchen Machtspielen langfristig die Oberhand behält, bleibt jedoch oft offen.

Quellen: Protokolle und Zeugenaussagen aus den Ermittlungsakten zum Fall Son Espases; persönliche Gespräche und Beobachtungen des Autors zwischen 1995 und 2006; vertrauliche Informationen aus Wirtschafts- und Justizkreisen.


Quelle: diariodemallorca.es