Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Fiskalverbände fordern Aufklärung und drohen mit Rücktritt
Druck auf Peramato wächst
Die Staatsanwaltschaft sieht sich mit schweren Vorwürfen und einer deutlichen Aufforderung zur Aufklärung konfrontiert. Hintergrund sind bekannt gewordene Treffen zwischen der mutmaßlichen sozialistischen Parteimitwirkenden Leire Díez und hochrangigen Vertretern der Behörde. Zwei einflussreiche Berufsverbände von Staatsanwälten haben nun in scharfen Stellungnahmen Rechenschaft gefordert und bei anhaltender “Opazität” sogar einen Rücktritt der aktuellen Generalstaatsanwältin Teresa Peramato ins Spiel gebracht.
Chronologie der Ereignisse und erste Reaktionen
Ausgangspunkt sind laut Medienberichten sichergestellte Handynachrichten und handschriftliche Notizen von Leire Díez. Diese deuten darauf hin, dass die ehemalige PSOE-Mitgliederín unter dem früheren Generalstaatsanwalt Álvaro García Ortiz einen privilegierten Zugang zur Staatsanwaltschaft genossen oder zumindest behauptet hat, diesen zu haben. Ihre Aufzeichnungen vermerkten ein Treffen mit “FGE” (Fiscalía General del Estado).
Auf Anfrage des Untersuchungsrichters Santiago Pedraz von der Audiencia Nacional teilte die Behörde mit, es gebe keine offiziellen “Registrierungen” für Besprechungen mit Díez. Allerdings bestätigte sie später zwei Zusammenkünfte zwischen Díez, ihrem Anwalt Jacobo Teijelo und Diego Villafañe. Villafañe fungierte zur fraglichen Zeit als stellvertretender Staatsanwalt und enger Mitarbeiter von García Ortiz. Der damalige Generalstaatsanwalt sei laut offizieller Mitteilung erst im Nachhinein über diese Treffen informiert worden, deren Inhalt die Staatsanwaltschaft in einer Pressemitteilung als unbedeutend zusammenfasste.
Kritik der Berufsverbände: “Vage” und “unzureichend”
Genau diese Erklärung stößt bei den Berufsverbänden auf massiven Widerspruch. Die Asociación de Fiscales (AF) zeigte sich in einem Kommuniqué, über das verschiedene spanische Medien berichteten, “zutiefst empört” über die als “vage” und “unzureichend” kritisierte Stellungnahme. Die APIF (Asociación Profesional e Independiente de Fiscales) äußerte sich “perplejo” (verblüfft) angesichts der Bestätigung der Treffen.
Beide Verbände werfen der Behördenspitze vor, zentrale Fragen unbeantwortet zu lassen. Die AF hinterfragt die Logik hinter zwei aufeinanderfolgenden Meetings: Entweder seien die vorgebrachten Anliegen so irrelevant gewesen, dass Treffen mit hohen Beamten unnötig waren, oder sie hätten eine gewisse Relevanz besessen, was dann wiederum ein ordentliches Verfahren nach internen Vorgaben erfordert hätte. Beides scheine nicht zusammenzupassen.
Forderung nach interner Untersuchung und mögliche Konsequenzen
Die APIF geht in ihrer Kritik noch weiter. Sie moniert, dass die Treffen nicht der zuständigen Antikorruptionsstaatsanwaltschaft gemeldet wurden, und betont, dass die Generalstaatsanwaltschaft keine konkreten strafrechtlichen Befugnisse habe. In ihrem Schreiben erinnert die Vereinigung an die vor wenigen Monaten erfolgte Verurteilung des Ex-Generalanwalts und bedauert, dass solche neuen Enthüllungen die Institution treffen, während sie sich noch “erhole”.
Die APIF sieht durch die Vorgänge das von Peramato nach ihrem Amtsantritt verkündete Ziel, “Wunden zu heilen” und “eine neue Seite aufzuschlagen”, ernsthaft gefährdet. Die Informationen wiesen “indiziell auf eine mögliche Kooperation der FGE hin, um die Strategien der Einflussnahme, Korruption und Falschheit der genannten Ermittelten zum Nachteil des Dienstes an der Justizverwaltung zu unterstützen”.
Daher fordert der Verband Peramato auf, unverzüglich die interne Aufsichtsbehörde zu beauftragen, Ermittlungsmaßnahmen einzuleiten und Álvaro García Ortiz, Diego Villafañe sowie die an den Treffen anwesende Staatsanwältin Beatriz López zu vernehmen. Sollte die “Haltung der Undurchsichtigkeit” anhalten, müsse Peramato ihr Amt niederlegen, so die klare Forderung der APIF.
Die Generalstaatsanwaltschaft steht damit erneut unter erheblichem öffentlichen Druck, die Abläufe und Entscheidungsgrundlagen rund um die kontroversen Treffen lückenlos und transparent aufzuklären.
Quelle: 20minutos.es