Ferraz zentralisiert Vorwahl-Kontrolle

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Ferraz zentralisiert Vorwahl-Kontrolle

von Jonas Beck

Die spanische Sozialistische Arbeiterpartei (PSOE) hat ihr Reglement für interne Vorwahlen grundlegend überarbeitet. Wie 20minutos berichtet, reagiert die Führung in Ferraz damit auf den unerwarteten Schritt der bisherigen Exekutivmitglieds Enma López, die gegen die offizielle Kandidatin Reyes Maroto für das Bürgermeisteramt von Madrid antritt.

Neues Machtgefüge in der Parteistruktur

Der am vergangenen Samstag vom Bundesausschuss verabschiedete Regeltext zielt darauf ab, die Entscheidungsgewalt der Parteispitze über innerparteiliche Prozesse auszuweiten. Die bedeutendste Änderung betrifft die Kommunalvorwahlen: Während bislang die Unterstützung von mehr als 50 Prozent der lokalen Parteibasis ausreichte, um eine Vorwahl einzuberufen, müssen nunmehr vorab die Genehmigung der Bundeslistenkommission eingeholt werden – einem Gremium, das direkt Ferraz untersteht. Die Militanz verliert damit ihr alleiniges Initiativrecht; das letzte Wort liegt bei der Führung.

Erweiterte Befugnisse der Kontrollinstanzen

Parallel dazu werden die Kompetenzen der Bundeskommission für Ethik und Garantien ausgeweitet. Sie fungiert künftig als letzte Instanz für interne Streitigkeiten, kann Entscheidungen territorialer Kommissionen überprüfen oder sogar direkt an sich ziehen, falls ein Wechsel in einer territorialen Generalsekretärsposition ansteht. Zudem erhalten die Führungsgremien mehr Spielraum, um Vorwahltermine bei vorgezogenen Wahlen anzupassen.

Verschärfte Anforderungen an Kandidaten

Bewerber müssen künftig ein "sozialistisches Bekenntnis" unterzeichnen, das unter anderem die Offenlegung von Vermögen und die Einhaltung der Datenschutzbestimmungen vorsieht. Das Dokument verpflichtet zudem zur Vermeidung von Inkompatibilitäten und akzeptiert disziplinarische Konsequenzen bei Verstößen – eine Maßnahme, die laut Parteikreisen mehr Transparenz im Kampf gegen Korruption und sexualisierte Gewalt schaffen soll.

Pulverfass Madrid

Im Mittelpunkt des internen Machtkampfs steht die Kommunalwahl in Madrid. Enma López kündigte ihre Kandidatur überraschend an, nur wenige Tage vor dem Debatte zur Lage der Stadt und ohne dass der Vorwahlkalender feststand. Sie kam damit der offiziellen Bewerbung von Mar Espinar zuvor, die daraufhin ihren Verzicht erklärte. In der Partei wird spekuliert, dass López’ Schritt weniger dem Rathaus als einem strategischen Positioning für einen möglichen Führungswechsel auf Bundesebene dient. Die Vorwahlen in der Hauptstadt gelten als der am stärksten beobachtete Prozess unter den insgesamt 30 Verfahren, die im Juli in acht Autonomen Gemeinschaften sowie den beiden spanischen Enklaven Ceuta und Melilla anlaufen.


Quelle: 20minutos.es