Feiertag? Vom Konsum gefressen

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Spanien

Feiertag? Vom Konsum gefressen

von Sabine Keller

Die hastige Rückkehr ins Hamsterrad

Wir sind ein Volk, das den Sonntag heiligt – solange das Internet funktioniert und der Brötchenservice nicht streikt. Jetzt ist Feiertag, Mariä Himmelfahrt, der erste freie Tag seit dem 1. Mai. Und was tun wir? Wir rennen los, um Sonderangebote abzustauben. Die Verkehrsbehörde DGT erwartet über fünf Millionen Fahrten an diesem verlängerten Wochenende. Fünf Millionen! Und die Supermarktketten? Sie kuschen dem Publikum, das satt auf der Couch liegt und trotzdem nicht einen Moment stillsitzen kann.

Mercadona, Dia, Lidl, Alcampo, Aldi – alle sind sie da. Mit reduzierten Zeiten, gewiss, aber sie sind da. Mercadona öffnet von neun bis fünfzehn Uhr, Aldi sogar bis zweiundzwanzig Uhr. Die Ausrede: „Der Kunde braucht das.“ Wer braucht an einem Nationalfeiertag um 21 Uhr noch einen Liter Milch? Niemand. Es ist reine Bequemlichkeit, gepaart mit der Gier der Konzerne, die jeden Euro mitnehmen wollen, auch wenn die Mitarbeiter auf die Familientradition pfeifen sollen.

Dienstleistung ohne Grenzen?

Schauen wir auf die Ketten, die sich als flexibel rühmen. Lidl sagt: „Kommt auf den Standort an.“ Wie bitte? Mal da, mal dort – das ist keine Kundennähe, das ist Willkür. Alcampo schließt eine Stunde früher, aber nur eine. Reicht das, um dem Tag der Arbeit zu huldigen? Wohl kaum. Die Linken werden jetzt einwenden: „Aber die Leute müssen sich eindecken!“ Schön. Aber wo bleibt der Respekt vor den Verkäuferinnen, die an diesem Tag kassieren, statt Blumen aufs Grab ihrer Großmutter zu legen?

Die Philosophie dieser Branche ist einfach: Wachstum um jeden Preis, Belastbarkeit als Berufsethos. Feiertage sind nur noch durchlaufende Posten im Logistikkalender. Man redet von Work-Life-Balance, aber die Realität zeigt uns, dass das Leben aus Arbeit besteht und die Balance aus dem Stau auf der Autobahn. Wer diesen Tag wirklich schätzt, sollte sich ein Beispiel nehmen an den Familien, die sich nicht durch die Regale treiben lassen, sondern die Türen geschlossen halten.

Ein Appell an die Vernunft

Ich sage es klar und deutlich: Der Einzelhandel hat das Rühren von Sonntagen längst verlernt. Die Politik sollte endlich den Mut aufbringen, die Rolltore an gesetzlichen Feiertagen herunterzulassen – nicht nur als Symbol, sondern als Pflicht. Wer das als Einschränkung seiner Freiheit empfindet, sollte sich fragen, wie frei wir noch sind, wenn wir ständig dem Konsum hinterherjagen müssen.

Lasst uns den 15. August endlich wieder als das feiern, was er ist: ein Tag der Besinnung, nicht des Sonderangebots. Die Kassen können ruhig stehen bleiben – unsere Werte sollten es nicht. (Sabine Keller)


Quelle: 20minutos.es