Fast eine Million Anträge

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Spanien

Fast eine Million Anträge

von Clara Weber

Rekordbeteiligung bei Regularisierung

Die außerordentliche Regularisierung von Migranten in Spanien, die die Regierung vor zweieinhalb Monaten auf den Weg gebracht hatte, endet an diesem Dienstag mit einer überraschend hohen Zahl an Eingängen. Rund eine Million Menschen haben einen Antrag auf Aufenthalt und Arbeitserlaubnis gestellt – die ursprünglichen Prognosen wurden damit um das Doppelte übertroffen. Organisationen vor Ort sprechen von einem Beleg für den bislang unterschätzten Regelungsbedarf.

Allerdings dürfte die finale Zahl nach Bereinigung von Doppeleinträgen und der Prüfung aller Dossiers etwas niedriger ausfallen. Dennoch zeichnet sich ab, dass diese siebte große Regularisierung seit den 1980er Jahren die umfangreichste ihrer Art werden könnte.

Positive Bilanz der Helfer

Pedro de Santiago, Sprecher der Hilfsorganisation Accem, die zu den knapp 500 beteiligten Stellen zählt, zeigt sich grundsätzlich zufrieden: „Die Zahlen sprechen für sich. Offensichtlich gab es viele Menschen, die hier bereits lebten und arbeiteten und dringend auf eine legale Perspektive angewiesen waren.“ Die ersten Wochen seien jedoch chaotisch gewesen, vor allem wegen eines Mangels an verlässlichen Informationen. Viele Antragsteller seien verunsichert gewesen, was die Anlaufstellen zusätzlich belastet habe.

Ähnlich äußert sich Mauricio Valiente, Direktor der spanischen Flüchtlingshilfe CEAR. Das Verfahren habe eindrucksvoll gezeigt, dass der tatsächliche Bedarf weit über den ursprünglichen Schätzungen gelegen habe.

Probleme zu Beginn des Verfahrens

Der Start der Aktion war von organisatorischen Schwierigkeiten geprägt. Zulassungsstellen waren überlastet, es bildeten sich lange Schlangen vor Rathäusern, Ausländerbehörden und Konsulaten. Viele Betroffene benötigten Meldebescheinigungen, polizeiliche Führungszeugnisse aus ihrem Herkunftsland und andere Nachweise – die Beschaffung erwies sich oft als zeitaufwendig. Zudem monierten die Hilfsorganisationen, dass es zunächst viel zu wenige registrierte Kooperationsstellen gab und klare Anweisungen der Behörden auf sich warten ließen.

Einige Autonome Gemeinschaften kritisierten die Regierung außerdem dafür, die Regularisierung ohne zusätzliche Finanzhilfen gestartet zu haben. Es sei nicht absehbar, wie die erwarteten Mehrkosten in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Soziales gedeckt werden sollen. Mehrere Regionen haben deshalb Verfassungsklage gegen das Dekret eingereicht. Der Verfassungsgerichtshof hat die Beschwerden zwar zugelassen, aber noch nicht in der Sache entschieden.

Hohe Erfolgsquote erwartet

Voraussetzung für die einjährige Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung war der Nachweis, dass der Antragsteller bereits vor dem 1. Januar 2026 in Spanien lebte und sich mindestens fünf Monate im Land aufgehalten hat. Einziges Ausschlusskriterium waren Vorstrafen, wofür ein polizeiliches Führungszeugnis aus dem Heimatland verlangt wurde. Wie das Ministerium für Migration bereits andeutete, gestaltete sich die Ausstellung dieses Dokuments in Ländern wie Algerien oder Venezuela besonders schwierig.

Die letzte offizielle Zahl des Ministeriums stammt vom 12. Juni: Damals waren 900.000 Anträge eingereicht, 360.000 davon bereits in Bearbeitung. Valiente rechnet nach Abzug von Doppelmeldungen mit rund 900.000 tatsächlichen Regularisierungen. Die Erfolgsaussichten seien gut: „Die Kriterien waren sehr klar und einfach zu erfüllen, die Anerkennungsquote wird hoch sein.“

Die größte Gruppe unter den Antragstellern stellen mit 30 Prozent kolumbianische Staatsbürger, gefolgt von Marokkanern (14 Prozent), Venezolanern (zehn Prozent) und Peruanern (neun Prozent).

Neue Hürden bereits überwunden

Die größte Herausforderung sei inzwischen bewältigt, betonen die Organisationen. Besonders aufwendig war anfangs die Aufklärungsarbeit: Viele Betroffene hielten fälschlicherweise ein „Vulnerabilitätszertifikat“ für zwingend erforderlich, obwohl es nur in bestimmten Fällen nötig war.

Wie die Madrider Zeitung 20 Minutos berichtet, ist die eigentliche Arbeit für viele Antragsteller aber noch nicht getan: Wer eine positive Entscheidung erhält, muss nun innerhalb des nächsten Jahres nachweisen, dass er einer geregelten Arbeit nachgeht, um den Aufenthalt zu verlängern.


Quelle: 20minutos.es