Familienclan wegen millionenschwerer Immobilienbetrügereien in Alicante zerschlagen

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Alicante

Familienclan wegen millionenschwerer Immobilienbetrügereien in Alicante zerschlagen

von Clara Weber

Ein vertrautes Netz aus Sprache und Erfahrung

Die Polizei spricht von einem perfiden System, das auf Vertrauen und sprachlicher Nähe aufbaute. Wie die Provinzkommissariat Alicante mitteilte, nutzte die Gruppe ihre Mehrsprachigkeit in Ukrainisch, Russisch und Spanisch gezielt aus, um vor allem osteuropäische Investoren anzusprechen, die auf dem spanischen Immobilienmarkt Fuß fassen wollten. Die mutmaßliche Anführerin, eine Frau mit ausländischen Wurzeln, verfügte über jahrelange Berufserfahrung in Immobilienbüros und kannte die Abläufe in Alicante in- und auswendig.

Das Muster der Täuschung: Mietkauf als Köder

Die Betrugsmasche war laut Ermittlern der Wirtschafts- und Finanzdelikte-Einheit (UDEF) ausgeklügelt. Die Bande mietete Wohnungen für ein Jahr an, gab sich gegenüber ahnungslosen Kaufinteressenten jedoch als Eigentümerin aus. Diese wurden dann mit dem vermeintlich lukrativen Angebot eines Mietkaufs ("alquiler con opción a compra") gelockt, obwohl die Immobilien gar nicht zum Verkauf standen. Teilweise wurde dieselbe Wohnung mehreren Opfern gleichzeitig angeboten.

Die angeblichen Anzahlungen und Verwaltungsgebühren flossen in ein Geflecht von Bankkonten, das eigens zur Geldwäsche und Verschleierung eingerichtet worden sein soll. Kam es zu Rückfragen oder wollten die Geschädigten aussteigen, wurden sie mit Ausreden hingehalten. Gelegentlich erhielten sie sogar kleine Beträge "zurück", um sie ruhigzustellen – Geld, das zuvor von anderen Opfern hereingeholt wurde, wie die Polizei betont.

Hoher menschlicher und finanzieller Schaden

Die Bilanz der Ermittlungen, die nach mehreren Anzeigen mit identischem Muster eingeleitet wurden, ist verheerend. Insgesamt fünf Geschädigte wurden identifiziert, deren Gesamtschaden sich auf über 1,2 Millionen Euro beläuft. Die Einzelfälle zeigen die Brutalität der Taten:

Eine der Betrogenen, die mit ihrer Familie sogar zeitweise in einer der nicht ihr gehörenden Wohnungen lebte, fand bei ihrer Rückkehr wertvolle Habseligkeiten im Wert von rund 800.000 Euro gestohlen vor. Eine 75-jährige Frau wurde nach einer Zahlung von 25.000 Euro sogar mit einem Pfändungsverfahren konfrontiert und in eine hilflose Lage gebracht. Die Täter sollen auch gezielt das soziale Umfeld ihrer ersten Opfer angesprochen und zu weiteren "Investitionen" überredet haben.

Festnahmen und offene Ermittlungen

Nach monatelangen Nachforschungen konnte die Polizei nun drei Personen – zwei Frauen und einen Mann zwischen 36 und 52 Jahren – in Alicante festnehmen. Zwei der Hauptverdächtigen wurden direkt in der Haftanstalt von Alicante der Delikte beschuldigt, da sie bereits wegen ähnlicher Vorwürfe in Untersuchungshaft saßen. Bei dem festgenommenen Mann handelt es sich laut Polizeiangaben um den Lebenspartner der mutmaßlichen Bandenchefin.

Die Ermittlungen sind jedoch noch nicht abgeschlossen. Eine vierte Person, eine 67-jährige Frau mit Wohnsitz außerhalb der iberischen Halbinsel, wird ebenfalls als mutmaßliches Bandenmitglied geführt. Der gesamte Aktenvorgang wurde an das zuständige Ermittlungsgericht in Alicante überstellt.


Quelle: europapress.es