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Dokumente belegen Cerdáns Einbindung in "Cloacas"-Affäre
Beweismaterial verweist auf direkte Einbindung
Eine am 27. Mai 2024 von der Untersuchungseinheit der Guardia Civil (UCO) in der Madrider Parteizentrale des PSOE durchgeführte Durchsuchung hat neue, belastende Dokumente zu Tage gefördert. Wie aus dem Ermittlungsbericht hervorgeht, wurden sowohl digitale Dateien als auch handschriftliche Notizen sichergestellt, die den damaligen Organisationssekretär der Partei, Santos Cerdán, eng mit den als „Cloacas“ (Abflussrohre) bezeichneten mutmaßlichen Manipulationsversuchen verknüpfen.
Ein zentrales digitales Dokument, das sowohl im Besitz von Cerdán als auch der Hauptverdächtigen Leire Díez gefunden wurde und den Titel „2024-11-19 Incumplimientos“ trägt, listet verschiedene Aktivitäten und Treffen der Gruppierung auf. Darin wird explizit der ehemalige Kommissar José Manuel Villarejo erwähnt, von dem es heißt, er besitze „Beweise, die die Korruption von [Richter Manuel] Marchena belegen würden“. Laut UCO-Angaben bot Leire Díez Villarejo im Gegenzug für Informationen, die der PSOE nützen sollten, prozessuale Vorteile an.
Strategie zur Beeinflussung von Gerichtsverfahren
Das Dokument verweist laut Bericht weiter auf Kontakte zum Anwalt des katalanischen Separatistenführers Carles Puigdemont, Gonzalo Boye, und nennt zwei Staatsanwälte, die „besondere Aufmerksamkeit“ erforderten: José Grinda und Alejandro Luzón. Luzón war zum fraglichen Zeitpunkt für ein Verfahren im Bereich der Erdölprodukte („Hydrocarburos“) zuständig.
Besondere Brisanz erhält der Fall durch handschriftliche Notizen Cerdáns, die die UCO als Beleg für seine aktive Rolle wertet. In einer dieser Notizen steht „Badajoz: dass die Staatsanwaltschaft die Ablehnung (Recusación) unterstützt“. Dies wird von den Ermittlern als Hinweis auf das Ermittlungsverfahren gegen David Sánchez, den Bruder des Ministerpräsidenten Pedro Sánchez, gewertet. Die Notiz korrespondiert mit Aufzeichnungen von Leire Díez, in denen die Bestellung eines „Anwalts für den Bruder von P.S.“ vorgeschlagen wird.
Koordinierte Treffen in einem „PSOE-Safehouse“
Den Ermittlungen zufolge war Cerdán über eine Strategie informiert, die darauf abzielte, die Untersuchung von Richterin Beatriz Biedma gegen David Sánchez zu Fall zu bringen. An diesen Absprachen sollen neben Díez der Unternehmer Javier Pérez Dolset, der Ex-Richter Luis Sáenz de Tejada und der Geschäftsmann Joaquín Parra beteiligt gewesen sein. Die Treffen fanden, wie im Polizeibericht ausgeführt, in einer Wohnung in der Madrider Calle Diego de León statt, die von den Beteiligten als „PSOE-Safehouse“ bezeichnet wurde. In dieser Wohnung trafen sich laut UCO mindestens einmal auch Santos Cerdán, Leire Díez und Javier Pérez Dolset.
Fokus auf die Aufhebung von Erdölverfahren
Ein weiterer zentraler Schwerpunkt der mutmaßlichen Operationen war die strategische Anfechtung von Verfahren im Erdölsektor. Ziel war es laut UCO, durch eine erfolgreiche Nichtigkeitsklage in einem dieser Verfahren eine Auswirkung auf den angrenzenden „Koldo-Fall“ zu erzielen. Diese Strategie soll vom Anwalt Jacobo Teijelo entwickelt worden sein, der später Cerdán nach dessen Anklage im Koldo-Fall verteidigte.
Die direkte Einbindung Cerdáns in diese Initiative wird durch eine WhatsApp-Nachricht von Leire Díez gestützt, in der sie erklärt, die „Priorität“ von Santos Cerdán sei „die Sache mit den Erdölen auf Anordnung des one“. Zudem fand die UCO in einem Notizbuch Cerdáns den handschriftlichen Vermerk: „Jacobo hat gesagt, beantrage die Aufhebung im Verfahren seines Mandanten Yepes.“ Dies bezieht sich auf den Mandanten Teijelos, den Hauptmann der Guardia Civil Juan Sánchez Yepes.
Die Gesamtheit der sichergestellten Unterlagen lässt nach Einschätzung der Ermittler den Schluss zu, dass Santos Cerdán nicht nur informiert war, sondern eine koordinierende Rolle bei den Versuchen einnahm, laufende Gerichtsverfahren zum Vorteil der Regierungspartei zu beeinflussen.
Quelle: 20minutos.es