
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Die unendliche Suche nach den letzten Dana-Opfern
Ein Jahrzehnt des Wartens
Für zwei Familien in der Region Valencia dauert der Albtraum an. Elisabeth Gil und Francisco Ruiz sind die einzigen Menschen, die nach der verheerenden Flutkatastrophe vom 29. Oktober 2024 noch immer nicht gefunden wurden. Während die Behörden die Suche fortsetzen, bleibt den Angehörigen nur die Hoffnung, ihre Liebsten doch noch zu finden und würdevoll bestatten zu können. "Was das Auge nicht sieht, versteht der Verstand nicht. Wir brauchen sie, um die Wunden zu schließen", sagt Ernesto, der Onkel von Elisabeth Gil.
Die Suche nach Gewissheit
Die Guardia Civil hat die Ermittlungen nicht eingestellt. Wie die Behörde gegenüber Europa Press bestätigte, konzentrieren sich die Sucharbeiten weiterhin auf die Gebiete nahe des Barranco del Poyo und des Flusses Magro – Orte, an denen die Vermissten zuletzt gesehen wurden oder nachweislich aufgehalten haben. Die Einsätze finden jedoch nicht in regelmäßigen Abständen statt, sondern richten sich nach der Verfügbarkeit der Einsatzkräfte.
Ernesto steht in ständigem Kontakt mit den Ermittlern. Er berichtet von einem Versprechen eines Generals der Militäreinheit UME: "Er sagte mir, sie wüssten nicht, wie lange es dauern würde, aber sie würden Elisabeth aus purer Überzeugung finden, nicht aus militärischem Gehorsam. Wenn mir jemand in die Augen schaut und das verspricht, glaube ich ihm."
Zwei Schicksale, eine Tragödie
Elisabeth Gil verschwand während der Flutwelle im Gebiet von Cheste. Ihre Mutter, die ebenfalls von den Wassermassen erfasst wurde, konnte im Februar 2025 in Quart de Poblet geborgen werden. Elisabeth selbst wurde am 30. Mai 2025 gerichtlich für tot erklärt – als letzte Betroffene der Katastrophe, da ihre Familie die offizielle Bestätigung lange hinauszögerte.
Francisco Ruiz erlebte ein besonders dramatisches Schicksal: Der 64-Jährige rettete seine Enkelkinder, indem er sie auf das Dach ihres Fahrzeugs im Industriegebiet von Montserrat hievte, bevor er selbst von den Fluten mitgerissen wurde. Seine Tochter Saray beschreibt die Situation als unerträglich: "Es ist hart, nicht zu wissen, wohin man gehen soll, um zu trauern, oder wo die eigenen Angehörigen sind."
Forderungen nach Aufarbeitung
Saray erhebt jedoch nicht nur Anspruch auf die Suche nach ihrem Vater. Sie fordert auch eine umfassende Aufarbeitung der Geschehnisse. "Die Regionalregierung, die Zentralregierung, die Wasserbehörde CHJ und die Gemeinden müssen eingestehen, dass Fehler gemacht wurden", sagt sie mit Blick auf die damaligen Entscheidungen. Ihrer Einschätzung nach wären viele der 233 Todesopfer vermeidbar gewesen, wenn rechtzeitig angemessene Maßnahmen ergriffen worden wären.
Die schwere Last des Alltags
Für Ernesto und seine Familie ist der Alltag geprägt von einem schmerzhaften Prozess der Gewöhnung. "Wir werden niemals vergessen, das ist unmöglich. Aber wir lernen langsam, ohne sie zu leben", sagt er. Besonders Elisabeths Sohn falle die Trauerarbeit schwer: "Er spricht noch immer im Präsens über sie." Zeremonielle Gedenkakte oder symbolische Beisetzungen lehnen die Familien ab – sie brauchen die Gewissheit, die nur die Rückführung der sterblichen Überreste bieten kann.
Ein Jahr zuvor gab es kurzzeitig Hoffnung: Im Oktober 2025 entdeckten Mitarbeiter des staatlichen Unternehmens Tragsa bei Arbeiten Knochenreste, die als Überreste eines 56-jährigen Mannes aus Pedralba identifiziert wurden – eine Erinnerung daran, dass die Natur die letzten Geheimnisse der Katastrophe nur langsam preisgibt.
Die Familien wissen, dass ihre Suche der berühmten Nadel im Heuhaufen gleicht. Doch sie geben nicht auf – und appellieren an die Behörden, die Ermittlungen fortzusetzen, bis der letzte Vermisste gefunden ist.
Wie Europa Press berichtet, bleibt die Frage nach der Verantwortung für die unzureichende Vorbereitung auf die Katastrophe vom 29. Oktober 2024 weiterhin Gegenstand öffentlicher Debatten und juristischer Prüfung.
Quelle: europapress.es