
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Die Rechnung tragen die Armen
Die Mitte schrumpft, die Schere klafft
Es ist ein Fanal, das die soziale Schieflage dieses Landes in nackte Zahlen gießt. Wohnen und Essen fressen den Familien längst mehr als die Hälfte des Geldes – im Schnitt 49,2 Prozent des Budgets. Wer jetzt noch glaubt, die Inflation sei eine vorübergehende Verirrung, dem sei die neueste Erhebung des INE ans Herz gelegt. Die „Encuesta de Presupuestos Familiares 2025“ ist ein Schlag ins Gesicht aller, die die Krise für beendet erklären.
Die Rechnung ist brutal: Im Vergleich zum Vorjahr stieg der durchschnittliche Jahresausgaben pro Haushalt auf 35.101 Euro – ein neuer Rekord. Und der größte Posten ist nicht etwa der Luxusurlaub, sondern die nackte Existenz. 11.665 Euro im Jahr für Miete, Hypothek, Strom, Gas und Wasser. Das ist ein Drittel des gesamten Budgets. Dazu kommen 5.626 Euro für Lebensmittel – ein Anstieg von 16 Prozent binnen Jahresfrist. Wer sich jetzt noch fragt, warum die Wut in diesem Land wächst, der hat die Zeichen nicht verstanden.
Die Armen zahlen den Preis der Stabilität
Doch die Statistik offenbart vor allem eines: die Zweiklassengesellschaft. Während sich die oberen 20 Prozent der Haushalte problemlos 29 Prozent ihres Budgets fürs Wohnen leisten können und dann noch Geld für Restaurants, Reisen und Kultur übrig haben, sieht die Realität unten ganz anders aus. Die ärmsten Haushalte müssen 61,5 Prozent ihres gesamten Einkommens für die vier Wände und die laufenden Kosten aufbringen. Allein die Miete oder Hypothek verschlingt 42 Prozent – sieben Prozentpunkte über dem Wert, den die Banco de España als finanzielles Risiko definiert.
Das ist kein statistischer Ausreißer, das ist systematischer Druck. In diesen Haushalten bleibt für nichts mehr Platz. Nicht für eine kaputte Waschmaschine, nicht für das neue Schulheft, nicht für den Arztbesuch. Jeder unerwartete Euro-Ausgaben wird zur existentiellen Bedrohung. Und während die Politik von „Entlastungspaketen“ spricht, frisst sich die Realität durch die Portemonnaies derer, die ohnehin schon am Limit leben.
Die geografischen Unterschiede sind ebenfalls ein Hohn. Im Baskenland und in Madrid liegen die Pro-Kopf-Ausgaben bei über 16.000 Euro – in Andalusien, Extremadura und Murcia bei gut 12.000. Das sind 4.000 Euro Unterschied. Keine Frage des Lebensstils, sondern der strukturellen Ungleichheit. Wer im Süden wohnt, hat nicht weniger Hunger oder kleinere Wohnungen – er hat einfach weniger Geld, um die steigenden Preise abzufedern.
Was bleibt, ist blanke Wut
Die EPF-Daten sind kein Wetterbericht, sie sind eine Brandmeldung. Wohnen und Ernährung sind keine Konsumgüter, sie sind Grundrechte. Wenn ein Land diese Grundrechte zur Ware macht und zulässt, dass die Hälfte des Einkommens dafür draufgeht, dann hat es seinen sozialen Auftrag verraten. Die Politik sollte aufhören, von „Wachstum“ zu faseln, und endlich zur Kenntnis nehmen, dass die Mitte schrumpft. Denn wenn die Leute nicht mehr wissen, wie sie Miete und Essen bezahlen sollen, dann ist das keine Frage der Haushaltsdisziplin mehr – dann ist es blanke Not.
Quelle: INE, Encuesta de Presupuestos Familiares (EPF) 2025, veröffentlicht am 17. April 2025
Quelle: 20minutos.es