Der Papst und das Erbe des Glaubens

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Der Papst und das Erbe des Glaubens

von Jonas Beck

Massenandrang zum zentralen Gottesdienst

Am zweiten Tag seines apostolischen Besuchs in Spanien zog Papst Leo XVI. laut Angaben der Veranstalter über 1,5 Millionen Menschen zu einer Heiligen Messe auf der Plaza de Cibeles an. Die offiziellen Schätzungen der Regierungsdelegation lagen bei etwa 1,1 Millionen Teilnehmern. Bereits in den frühen Morgenstunden hatten Gläubige aus ganz Spanien mit Campingstühlen und Proviant die weiträumig abgesperrten Zonen rund um den Platz besetzt. Die Menschenmassen, die der Feier über 42 Großbildschirme folgten, erstreckten sich kreuzförmig entlang der Hauptverkehrsadern der Stadt.

Die zentrale Ansprache des Papstes richtete sich direkt an die Gegenwart und Zukunft des Landes. “Die religiöse Tradition, die dieses Land seit Jahrhunderten prägt, darf kein Museumsstück der Vergangenheit sein, das man besichtigt”, betonte Leo XVI. in seiner Predigt, wie von mehreren Nachrichtenagenturen übereinstimmend festgehalten wurde. Stattdessen müsse sie eine “Schule des Glaubens” sein, die lehre, sich sowohl vor Gott als auch vor dem Nächsten zu verneigen. Er warnte vor der “Versuchung, sich anderen Göttern zuzuwenden”, und rief dazu auf, aus der “privaten Andacht” auszubrechen und zu “Protagonisten des historischen Wandels” zu werden.

Begegnungen zwischen Tradition und Protest

Der Gottesdienst stand unter dem Zeichen der Staatsrepräsentation. König Felipe VI. begrüßte den Papst persönlich, wie in von der Casa Real veröffentlichten Aufnahmen zu sehen war. In einem vorangegangenen Statement hatte Kardinal José Cobo, Erzbischof von Madrid und Vizepräsident der Spanischen Bischofskonferenz, betont, die Kirche sei nicht dazu berufen, “Mauern zu errichten”, sondern “Türen zu öffnen”. Die anschließende feierliche Fronleichnamsprozession die Calle de Alcalá hinunter führte den Papst unter einem Baldachin, begleitet von Geistlichen, Kommunionkindern sowie zivilen und militärischen Würdenträgern.

Nicht alle Begegnungen des Tages verliefen im protokollarischen Rahmen. Vor der päpstlichen Nuntiatur, der Residenz Leos XVI. in Madrid, inszenierte Miguel Hurtado, Sprecher der Opfervereinigung “Reparación Integral Ya”, eine symbolische Konfrontation. Wie mehrere Medien berichteten, richtete er seine Forderung nach Konsequenz im Umgang mit Missbrauchsfällen im Kirchenumfeld an eine Fotografie des Papstes. Ein offizielles Treffen des Pontifex mit einer Opfergruppe ist für den Folgetag angesetzt; Hurtado gehört nach eigenen Angaben nicht zu den eingeladenen Personen.

Jugend im Fokus und ein Ausklang in der Arena

In den Reaktionen der Pilger auf dem Cibeles-Platz spiegelte sich insbesondere die Zielrichtung der Botschaft an die junge Generation wider. “Er vertraut darauf, dass wir keine verlorene Jugend sind”, zitierten Medien einen Teilnehmer. Unter den Gläubigen befanden sich zahlreiche junge Menschen; etwa 1.800 übernachteten in einem nahegelegenen Salesianer-Kolleg, wie der 22-jährige Salvador aus Alboraya in Valencia angab.

Der Tag klang mit dem Event “Tejer redes” (Netzwerke knüpfen) in der Movistar Arena aus, einer Begegnung des Papstes mit Vertretern aus Kultur, Sport und Bildung. Prominente wie Antonio Banderas oder die Sängerin Rozalén nahmen daran teil. Eine kuriosere Episode ereignete sich auf der Fahrt dorthin, als Ordensschwestern aus Sotillo de la Adrada den Papst mit ihrem “augustinischen Ruf” – “ino, ino, ino, der Papst ist Augustiner” – verabschiedeten. Diese Referenz bezieht sich auf das Ordensgelübde Leos XVI. und unterstrich die informellen, persönlichen Momente dieser Visite.


Quelle: malagahoy.es

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