Das Netzwerk um Zapatero

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Das Netzwerk um Zapatero

von Clara Weber

Der Verdacht: Ein organisierter Einfluss-Apparat

Ein Richter der spanischen Audiencia Nacional, José Luis Calama, sieht den ehemaligen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero nicht als Einzelakteur, sondern als strategischen Kopf. In einem Beschluss zur Eröffnung einer Untersuchung zeichnet Calama das Bild einer koordinierten Struktur, die darauf ausgelegt gewesen sein soll, auf nationaler und internationaler Ebene Einfluss zu nehmen und wirtschaftliche Vorteile zu erlangen. Wie aus dem gerichtlichen Dokument hervorgeht, soll Zapatero die "strategische Führung" innegehabt, Kontakte auf höchster Ebene gepflegt und sich direkt mit hochdotierten Geschäften befasst haben.

Als "Koordinierungszentrum" dieser mutmaßlichen Vereinigung identifiziert der Richter die Büroräume des Ex-Regierungschefs in der Madrider Calle Ferraz, unweit der Parteizentrale der PSOE. Von dort aus seien, so die Darstellung, Anweisungen erteilt, Dokumente erstellt und die finanzielle sowie unternehmerische Operation gesteuert worden.

Die Schlüsselpersonen im vermeintlichen Geflecht

Die Richterliche Beschreibung benennt klar verteilte Rollen innerhalb des Gefüges. An zentraler Stelle steht dabei Julio Martínez Martínez, von Calama als "Haupt-Stellvertreter und sichtbare Figur" bezeichnet. Der langjährige Laufpartner Zapateros soll laut den Ermittlungen für die Akquise von Klienten und das operative Geschäft zuständig gewesen sein. Seine Firma "Análisis Relevante" wird als ein "instrumentelles Stück" der Struktur eingestuft.

Weitere Personen in der Vertrauensebene sind Zapateros Sekretärin María Gertrudis Alcázar, verantwortlich für die formelle Dokumentation, und Cristóbal Cano, der als Manager des Firmengeflechts und der "ad-hoc-Abrechnung" gilt. Diese Namen ergänzen das Bild eines geschlossenen Kreises von Mitarbeitern, auf die sich der Ex-Premier gestützt haben soll.

Die mutmaßliche Methode: Scheinberatung und Geldflüsse

Laut den richterlichen Ausführungen basierte das Geschäftsmodell der Gruppe darauf, für nicht erbrachte Beratungsleistungen erhebliche Summen zu kassieren. Diese Gelder seien anschließend über ein komplexes Geflecht von Unternehmen umverteilt worden. Zur Verschleierung hätte man fingierte Dokumente erstellt, Gelder über Scheinfirmen geleitet und Strohmänner genutzt.

Ein zentraler Klient war nach den bisherigen Ermittlungen die venezolanische Fluggesellschaft Plus Ultra, die während der Pandemie staatliche Hilfen erhalten hatte. Deren Verantwortliche, so die Untersuchung, hätten aktiv nach Zugang zu Zapatero gesucht und seien bereit gewesen, dafür zu zahlen. Die Kommunikationsüberwachungen deuten zudem auf Kontakte der mutmaßlichen Struktur zu Amtsträgern und Geschäftsleuten in Venezuela, China und den Vereinigten Arabischen Emiraten hin.

Das Firmen-Konglomerat im Fokus der Fahnder

Die Ermittler haben eine Reihe von Unternehmen identifiziert, die in dem mutmaßlichen System eine Rolle gespielt haben sollen:

  • Análisis Relevante (Julio Martínez): Diente als Instrument zum Umlenken von Geldern, insbesondere im Zusammenhang mit der Beantragung öffentlicher Hilfen.
  • Whathefav: Deren formale Geschäftsführerinnen sind Zapateros Töchter. Die Gesellschaft soll als "Finalgesellschaft" Gelder von Klienten erhalten und Zahlungen in das Umfeld des Ex-Premiers weitergeleitet haben. Ihre Räumlichkeiten wurden diese Woche durchsucht.
  • Idella Consulenza Strategica (vertreten durch Julio Martínez): Spielte eine Schlüsselrolle bei der angeblichen Auslandsverschiebung von 530.000 Euro aus dem Plus-Ultra-Vertrag, um die Zahlung in Spanien zu vermeiden. Sie war die Muttergesellschaft von in Dubai gegründeten Entitäten.
  • Softgestor und Inteligencia Prospectiva: Weitere Gesellschaften, die der Kanalisierung von Geldern über internationale Beraterverträge ohne realen Inhalt gedient haben sollen.

Der Untersuchungsrichter José Luis Calama hat Zapatero für den 2. Juni als Beschuldigten zur Aussage vorgeladen. Die Audiencia Nacional betont damit die rechtliche Tragweite des Falls, in dem erstmals in der Demokratie ein ehemaliger Regierungschef auf diese Weise unter Verdacht steht.


Quelle: 20minutos.es