
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Das Netzwerk hinter den Zahlungen
Zapatero als mutmaßlicher "Chef" eines internationalen Netzwerks
Die Ermittlungen der spanischen Justiz im Fall des ehemaligen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero zeichnen das Bild eines weitverzweigten Systems. Laut einem Beschluss des Ermittlungsrichters José Luis Calama von der Audiencia Nacional diente ein von Zapateros Freund Julio Martínez Martínez kontrolliertes Firmengeflecht dazu, mutmaßliche Schmiergelder zu verstecken. Der Richter stützt seine Anklagepunkte – Geldwäsche und Vorteilsnahme – auf eine umfangreiche Dokumentenlage. Er sieht Zapatero als den "Kopf" einer Struktur, die ausländische Regierungen und Wirtschaftsakteure beeinflusst haben soll.
Der "Banker des Chefs" und das System der gelöschten Chats
Eine Schlüsselrolle in diesem Geflecht spielt laut Gerichtsdokumenten Julio Martínez Martínez. In abgehörten Gesprächen wurde er von Geschäftsleuten als der "Banker des Chefs" bezeichnet, wobei sich die Bezeichnung mutmaßlich auf Zapatero bezieht. Die Ermittler fanden zahlreiche Nachrichten, jedoch keine direkten von oder an den Ex-Regierungschef. Der Richter führt dies darauf zurück, dass Martínez Martínez seine gesamten Unterhaltungen mit Zapatero "systematisch" gelöscht habe. Dies deute, so die Schlussfolgerung in den Akten, auf eine "Strategie hin, Zahlungen verschiedener Art zu verbergen oder zu verschleiern".
Millionenbeträge und das komplizierte Kanalsystem
Die Untersuchung konzentriert sich stark auf die insolvente Fluggesellschaft Plus Ultra. Wie aus dem richterlichen Beschluss hervorgeht, zahlte die Airline zwischen 2020 und 2024 direkt knapp 600.000 Euro an Firmen von Martínez Martínez. Die wichtigste dieser Gesellschaften, "Análisis Relevante", wies hohe Einnahmen auf, hatte aber keine Angestellten. Sie leitete über 730.000 Euro an Zapatero persönlich und an das Marketingunternehmen seiner Töchter weiter.
Doch das System war komplexer. Weitere Millionenbeträge flossen laut den Ermittlungen über vorgeschaltete Gesellschaften wie "Caletón Consultores" und "Summer Wind". Besonders auffällig ist der Fall der Firma "Inteligencia Prospectiva". Diese Gesellschaft mit Verbindungen nach Venezuela wies trotz geringer Einnahmen extrem hohe Ausgaben auf – unter anderem für Dienstleistungen von Martínez Martínez' Firmen und der Agentur von Zapateros Töchtern. Der Richter sieht hier eine Verbindung zu einem geplanten Ölgeschäft zwischen einer chinesischen Firma und Venezuela, das angeblich nur über Zapateros Vermittlung zugänglich gewesen sein soll.
Internationale Dimension und ein gescheitertes Casino-Projekt
Die mutmaßliche Tätigkeit des Netzwerks beschränkte sich nicht auf Spanien. Wie aus dem richterlichen Bericht hervorgeht, gab es Kontakte zu Amtsträgern und Unternehmen in Venezuela, China und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ein weiteres, laut Gutachten nicht zustande gekommenes Projekt, betraf den geplanten Bau des Hard-Rock-Casinos in Tarragona. Die Firma "Idella Consulenza Stratégica" von Martínez Martínez sollte demnach eine dreiprozentige Provision für die Vermittlung eines Zwei-Milliarden-Euro-Deals erhalten.
Diese gleiche "Idella"-Gesellschaft soll laut den Unterlagen der Audiencia Nacional jedoch für die Abwicklung einer ganz anderen Provision gedient haben: für ein Prozent der staatlichen Rettungsgelder für Plus Ultra. Zur Verschleierung sei sogar die Gründung einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft geplant worden. Diese Details stammen aus Informationen der spanischen Betrugsermittlungsbehörde ONIF, die der Richter in seinem mehrseitigen Beschluss auswertet und die den Kern der Anklage bilden.
Quelle: Gerichtsdokumente der Audiencia Nacional (Juzgado Central de Instrucción Nº 5), Auszüge veröffentlicht über verschiedene Medien.
Quelle: 20minutos.es