Das Erbe des Herrn Zapatero

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Das Erbe des Herrn Zapatero

von Sabine Keller

Eine Rechnung geht nicht auf

Eine Handvoll Erbstücke und Familien-Geschenke, geschätzt auf bescheidene 50.000 Euro – so verkaufte Luis Arroyo, der autorisierte Sprecher von Ex-Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero, der Öffentlichkeit den Inhalt eines Safes. Die Realität, wie sie nun durch eine gerichtlich angeordnete Schätzung ans Licht kommt, ist eine andere: Aus bescheidenen Tausenden sind plötzlich 1,3 Millionen Euro geworden. Ein Faktor 40 liegt dazwischen. Das ist keine kleine Diskrepanz, das ist ein Abgrund zwischen Darstellung und Wirklichkeit. Arroyo hat inzwischen auf Twitter "Vergebung" erbeten – für die "Irreführung". Das ist die milde Interpretation. Eine andere wäre: Hier wurde die Öffentlichkeit bewusst getäuscht.

Die historische Madrider Juwelierfirma Ansorena, unterstützt vom Instituto Gemológico Español, legte den Wert fest. Das sind keine unseriösen Schätzungen von der Straße, sondern autoritative Gutachten. Sie zeigen: Bei Zapatero lag nicht nur Familienerinnerung im Safe, sondern vermutlich ein kleines Vermögen in Edelmetallen und Steinen.

Die politische Explosion

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten und durchbohren den Mantel der Schadensbegrenzung. Ester Muñoz, Parlamentssprecherin der konservativen Volkspartei (PP), brachte es auf den Punkt: "Das zeigt klar, dass er lügt, und nur wer etwas zu verbergen hat, lügt." Die Anschuldigung ist schwerwiegend: Der Wert der Schmuckstücke steht in direktem Zusammenhang mit den gegen Zapatero erhobenen Vorwürfen im sogenannten 'Casos Plus Ultra', wo ihm die Führung eines Netzwerks der Vorteilsnahme vorgeworfen wird. Ist der teure Schmuck etwa kein Erbe, sondern eine "Gegenleistung"?

Von der sozialistischen PSOE-Parteizentrale in Ferraz kommt lediglich das beschwichtigende Vertrauen, ihr ehemaliger Vorsitzender werde "alles Notwendige" vor dem Ermittlungsrichter der Audiencia Nacional, José Luis Calama, erklären. Von internen Konsequenzen ist keine Rede – ein bezeichnendes Schweigen. Vox-Politiker José María Figaredo nutzte die Gelegenheit für eine Generalabrechnung und sprach vom "höchsten Diebstahl" des PSOE, bezeichnete die Regierung als "Diebe" und "Mafia". Die Schmuck-Affäre wird zum Brennglas, das alle vorhandenen politischen Gräben vertieft und vergiftet.

Die Frage nach der Quelle

Das eigentliche Skandalon ist nicht primär der Wert an sich. Ein ehemaliger Regierungschef kann durchaus privaten Reichtum besitzen. Der Skandal ist die offensichtlich falsche Darstellung und das daraus resultierende Misstrauen. Wenn der autorisierte Sprecher in einer ersten Stellungnahme den Wert um den Faktor 40 herunterspielt, stellt sich unweigerlich die Frage: Warum? War es schlicht Ignoranz, wie er nun nahelegt? Oder war es der taktische Versuch, die öffentliche Empörung klein zu halten, bevor die Fakten bekannt wurden?

Arroyos Rechtfertigung, er informiere "immer mit Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit", wirkt nach dieser peinlichen Enthüllung hohl. Seine Kommunikation hat das genaue Gegenteil bewirkt: Sie hat Zweifel gesät und den Geruch der Vertuschung verstärkt. Die entscheidenden Erklärungen muss nun Zapatero selbst vor dem Untersuchungsrichter abgeben, bei seiner Vernehmung am 17. und 18. Juni. Er muss nicht nur die Herkunft von Schmuck im Wert einer Villa erklären, sondern auch, warum seine Vertreter die Öffentlichkeit zunächst mit einer geradezu lächerlichen Untertreibung abzuspeisen versuchten.

Mehr als nur ein schlechter Scherz

Die "Erbschafts"-Geschichte ist ins Wanken geraten. 1,3 Millionen Euro in Schmuck sind kein zu vernachlässigendes Detail, sie sind der Stoff, aus dem Ermittlungsakten bestehen. Die politischen Gegner werden diesen Fall nicht fallen lassen, er fügt sich zu gut in das Narrativ der angeblich systemischen Korruption im Umfeld der spanischen Linken. Zapateros Entschuldigungsspiel ist der erste Akt. Der zweite wird seine Aussage vor Gericht sein. Dort zählen dann nur noch Beweise, nicht mehr geschickt formulierte Tweets.

Quellen: Meldungen der Nachrichtenagenturen zu den Aussagen von Luis Arroyo (Twitter), Ester Muñoz (PP), José María Figaredo (Vox) und der PSOE-Parteizentrale; Bericht über die gerichtliche Schätzung durch Joyería Ansorena und das Instituto Gemológico Español (wie u.a. von 20minutos.es aufgegriffen).


Quelle: 20minutos.es