
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Baskenland startet Mission zur Aerospace-Industrie
Ein Pakt für die Zukunft der europäischen Luftfahrt
Während Brüssel über Bürokratie streitet und Berlin über Industrie-subventionen debattiert, handeln die Regionen längst. Der baskische Regierungschef Imanol Pradales reist an diesem Montag an die Spitze des europäischen Aerospace-Ökosystems: nach Toulouse. Das Ziel ist ebenso simpel wie ambitioniert – die industriellen Schwergewichte des Baskenlandes sollen dort andocken, wo Europas Luftfahrt Zukunft gebaut wird.
Mehr als nur ein Höflichkeitsbesuch
Es ist die logische Konsequenz eines Treffens im November 2025, als Pradales und die Präsidentin der Region Okzitanien, Carole Delga, in Paris die Grundpfeiler für diese Mission legten. Was nun folgt, ist ein Programm mit Substanz: Besichtigung der Airbus-Werke in Blagnac, ein bilateraler Austausch mit Delga und ein Spitzentreffen mit Vertretern beider Volkswirtschaften. Es geht um nichts Geringeres als die Frage, wie sich das Baskenland in den Lieferketten der Großen unverzichtbar macht – und das in Zeiten, in denen Europa seine technologische Souveränität mühsam zurückerobert.
Wer jetzt einwendet, dies sei nur ein weiterer politischer Foto-Termin, der irrt gewaltig. Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: 23 Unternehmensvertreter aus dem Baskenland reisen an, begleitet vom Industrieministerium. Bis zum 21. Oktober werden sie durch die Hallen von Safran, Liebherr-Aerospace und Thales Alenia Space geführt. Kontakte zu Aerospace Valley und dem Forschungsinstitut IRT Saint Exupéry stehen ebenfalls auf der Agenda – mit dem klaren Auftrag, konkrete Projekte für Innovation und Forschung anzubahnen.
Komplementär statt konkurrierend
Die Strategie dahinter ist bemerkenswert klar. Das Baskenland positioniert sich nicht als Billig-Anbieter, sondern als unverzichtbarer Spezialist: 82 Unternehmen, organisiert im Cluster Hegan, erwirtschafteten 2025 rund 3,4 Milliarden Euro Umsatz und sicherten über 15.000 Arbeitsplätze. Bei Exporten von fast 2,9 Milliarden Euro und Investitionen von 213 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung ist das Baskenland in Nischen wie Motoren, Aero-Strukturen und Präzisionsmaschinenbau längst auf Weltklasse-Niveau. Okzitanien hingegen glänzt mit 817 Firmen und über 110.000 Beschäftigten als Sitz der ganz Großen.
Diese Komplementarität ist die Chance. Während andere über Protektionismus und Abschottung grübeln, setzen die Basken auf Kooperation. Durch die grenzüberschreitenden Kooperationsrahmen der Pyrenäen-Arbeitsgemeinschaft und des EU-Programms POCTEFA ist die Basis längst gelegt. Diese Mission ist der nächste, konsequente Schritt: Kontakte in Verträge verwandeln, Besuche in Geschäftsbeziehungen ummünzen – und die Wertschöpfungskette in Europa halten, anstatt sie nach Übersee zu verlagern.
Wer die Zeichen der Zeit versteht, weiß: Die Zukunft der europäischen Industrie entscheidet sich nicht in Brüsseler Hinterzimmern, sondern in solchen Partnerschaften. Das Baskenland hat es verstanden. Nun muss Okzitanien liefern.
Quellen: Europapress, Gobierno Vasco, Clúster Hegan
Quelle: europapress.es