Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Spanier fürchten neuen Blackout und setzen auf Erneuerbare
Ein Jahr nach dem Blackout: Die Angst bleibt
Die Erinnerung an den 28. April 2025 sitzt tief. Damals legte ein großflächiger, unvorhergesehener Stromaustag Teile Spaniens, Portugals und Südfrankreichs lahm. Ein Jahr später ist die Sorge vor einem neuen Vorfall keineswegs verflogen. Im Gegenteil: Mehr als die Hälfte der Spanier (54 %) gibt in einer aktuellen Umfrage an, besorgt über die Möglichkeit eines weiteren ungeplanten Blackouts innerhalb der nächsten zwölf Monate zu sein. Damit liegt das Land in dieser Befürchtung international an der Spitze, wie aus der Studie des französischen Marktforschungsinstituts Ipsos hervorgeht.
Der Wunsch nach Unabhängigkeit ist groß
Hinter dieser Besorgnis steht eine klare Diagnose der Bevölkerung: die hohe Abhängigkeit von Energieimporten. Spanien bezieht rund 68 % seiner Energie aus dem Ausland. Es überrascht daher nicht, dass 58 % der Befragten der Meinung sind, ihr Land sollte die energiepolitische Unabhängigkeit priorisieren – selbst wenn dies mit höheren Kosten verbunden wäre. Nur in Polen (59 %) ist dieser Wunsch in Europa noch etwas ausgeprägter. “Das zeigt einen klaren und festen Willen, die Autonomie des Landes in einem instabilen globalen Szenario zu stärken”, so die Interpretation von Ipsos.
Klarer Favorit: Sonne und Wind
Der Weg zu dieser Unabhängigkeit ist für die spanischen Verbraucher eindeutig vorgezeichnet. Eine überwältigende Mehrheit von 65 % unterstützt Investitionen in erneuerbare Energien zusammen mit Speicherlösungen, um die Stromerzeugung zu erhöhen. Bei der Frage nach den favorisierten Technologien liegen Solar- (78 %) und Windkraft (71 %) mit großem Abstand vorn, dicht gefolgt von der Wasserkraft (71 %). Mehr als jeder Zweite (54 %) ist sogar überzeugt, dass seine Region den künftigen Strombedarf allein durch Erneuerbare decken könnte.
Die traditionellen und fossilen Energieträger fallen hingegen deutlich ab. Nur 47 % befürworten Erdgas als Übergangslösung. Noch deutlicher ist die Ablehnung gegenüber der Kernkraft (37 % Zustimmung, 23 % direkte Opposition) und vor allem der Kohle. Letztere findet nur bei 20 % der Spanier Unterstützung, während 39 % sie aktiv ablehnen.
Internationaler Vergleich
Die Ipsos-Studie, die zwischen Ende Januar und Anfang Februar 2026 in 31 Ländern durchgeführt wurde, macht auch internationale Unterschiede sichtbar. Während die Spanier am stärksten von einem erneuten Blackout überzeugt sind, teilen immerhin 43 % der Iren diese Sorge. Die Ergebnisse zeichnen insgesamt das Bild einer Bevölkerung, die die Energiewende nicht nur aus Klimaschutzgründen, sondern vor allem als Frage der nationalen Sicherheit und Souveränität betrachtet.
Die Daten basieren auf Befragungen von über 23.700 Erwachsenen weltweit im Rahmen der Online-Plattformen “Global Advisor” und “IndiaBus”.