Iberien drängt auf mehr EU-Geld für Stromnetze

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

paris

Iberien drängt auf mehr EU-Geld für Stromnetze

von Clara Weber

Neue Allianz gegen französische Blockade

Die iberischen Nachbarn verstärken den Druck auf Brüssel. Bei einem ersten hochrangigen Treffen in Paris forderten Spanien und Portugal mehr finanzielle Unterstützung von der EU-Kommission für den Ausbau der Stromverbindungen. Wie der Sitzung in der französischen Hauptstadt zu entnehmen war, soll im September ein weiteres Treffen auf technischer Ebene folgen. Konkrete Vereinbarungen gab es am Montag jedoch nicht.

Die spanische Vizepräsidentin Sara Aagesen traf gemeinsam mit ihrer portugiesischen Kollegin Maria da Graçá Carvalho und Frankreichs Energieministerin Maud Bregeon sowie EU-Energiekommissar Dan Jorgensen zusammen. Ziel war es, die seit Jahren schwelenden Differenzen um die Stromleitungen durch die Pyrenäen zu überwinden.

Derzeit beträgt die Stromverbindungskapazität über die Pyrenäen weniger als drei Prozent. Die EU hatte sich eigentlich ein Ziel von 15 Prozent bis 2030 gesetzt. Madrid und Lissabon machen vor allem Paris für die schleppende Entwicklung verantwortlich, da Frankreich zunächst sein eigenes Stromnetz ausbauen möchte, bevor es ausländischen Strom importiert.

E-Ausbau und alternative Pfade

Neben den klassischen Stromleitungen stand auch das Thema Wasserstoff auf der Agenda. Beim Projekt H2Med gibt es jedoch weiterhin Differenzen: Während Spanien und Portugal auf grünen Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen setzen, will Frankreich auch Strom aus Atomkraft nutzen, um sogenannten rosafarbenen Wasserstoff zu produzieren.

EU-Kommissar Jorgensen nutzte die Gelegenheit, um die drei Länder zu mehr Engagement bei der Offshore-Windkraft zu bewegen. In Spanien wartet die Branche seit Jahren auf die erste Ausschreibung für schwimmende Windparks, die den Sektor endlich in Gang bringen soll. Aagesen betonte, dass Spanien an der gesamten Wertschöpfungskette arbeite und bereits 200 Millionen Euro für Hafeninfrastruktur bereitgestellt habe.

Mini-Erfolge und nächste Schritte

Wenigstens bei den Verbindungen untereinander gibt es Fortschritte: Erst vergangene Woche weihten Aagesen und Carvalho die zehnte Stromverbindung zwischen Spanien und Portugal in Pontevedra ein. Auch die Bauarbeiten für die Verbindung im Golf von Biskaya laufen weiter. Aus Sicht von Brüssel und Madrid sind jedoch mindestens zwei zusätzliche Leitungen unter den Pyrenäen notwendig - zwischen Navarra und Landes sowie zwischen Aragonien und Marsillon.

Die Frage der Stromverbindungen soll auch bei der nächsten spanisch-französischen Gipfelkonferenz thematisiert werden. Ein konkreter Termin steht noch aus. Wie die spanische Zeitung 20 Minutos berichtete, haben sich alle Beteiligten weiterhin zu den Verbindungen im Südwesten Europas bekannt.


Quelle: 20minutos.es