Armengol fordert Aufarbeitung von Kirche

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Madrid

Armengol fordert Aufarbeitung von Kirche

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Ein "ethisches Gebot" mit politischer Sprengkraft

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet die sozialistische Präsidentin des Abgeordnetenhauses dem Vatikan die Leviten liest? Francina Armengol hat den historischen Besuch von Papst Leo XIV. im Congreso genutzt, um eine klare Ansage zu machen: Die Anerkennung der päpstlichen Worte sei eine "ethische Verpflichtung" – doch damit allein sei es nicht getan. Vielmehr müsse die katholische Kirche endlich Verantwortung übernehmen und diejenigen entschädigen, die in ihren Reihen Missbrauch erlitten haben.

Armengol ließ in ihrer Rede vor dem Pontifex keinen Zweifel daran, dass sie die Gastfreundschaft nicht als bloße Zeremonie versteht. Die dritte Staatsgewalt empfing den Kirchenführer zwar mit "institutionellem Respekt" und "aufrichtiger Zuneigung", doch die Botschaft dahinter war eindeutig: Wer über Moral predigt, muss auch handeln. Die Forderung nach Reparationen ist dabei nicht nur eine juristische, sondern vor allem eine politische Kampfansage an jene Kräfte, die das Kapitel Missbrauch am liebsten unter Verschluss halten würden.

Das Schweigen brechen: Eine Frage der Gerechtigkeit

Armengol skizzierte die demokratische Verfasstheit Spaniens als "plural", "offen" und gegründet auf "Gewissensfreiheit" und "Dialog". Genau diese Werte, so ihre Argumentation, seien es, die eine Aufarbeitung der Missbrauchsfälle unumgänglich machten. Wer von einer "offenen" Gesellschaft spreche, könne nicht wegsehen, wenn Institutionen ihre Schutzbefohlenen im Stich ließen. Die Aufforderung, die Opfer zu "reparieren" und zu entschädigen, ist daher mehr als nur eine symbolische Geste – sie ist der Lackmustest für die Glaubwürdigkeit der Kirche in Spanien.

Doch Armengol beließ es nicht bei der Vergangenheitsbewältigung. Sie nutzte die Bühne des Parlaments, um eine weit grundsätzlichere Debatte anzustoßen. In Zeiten, in denen "nur wenige der Stärksten das Massaker an Tausenden von Schwachen mit völliger Straflosigkeit" durchsetzten, müsse man sich auf das "Wesentliche" besinnen. Ihre Worte lesen sich wie eine Abrechnung mit einer internationalen Ordnung, die längst von Machtpolitik und nicht von Rechtsnormen regiert werde.

Frieden als Kampfbegriff: Der Appell an den Westen

Die Präsidentin des Congreso positionierte sich damit klar im geopolitischen Diskurs: Multilateralismus statt "Kraft", Dialog statt "Unvernunft", Gerechtigkeit statt "Straflosigkeit". Armengol rief dazu auf, sich auf die "richtige Seite" zu stellen und den Frieden ins Zentrum des politischen Handelns zu rücken – einen Frieden allerdings, der "Gerechtigkeit auferlegt" und "dialogorientiert" sei. Dass sie dabei die aktuellen Konfliktherde nicht explizit nannte, ist bezeichnend: Die Botschaft richtet sich an alle, die glauben, dass mit Waffengewalt und Arroganz stabile Verhältnisse geschaffen werden könnten.

Diese Haltung ist bemerkenswert, denn sie kollidiert mit der Realität vieler westlicher Hauptstädte, die weiterhin auf militärische Abschreckung als oberstes Prinzip setzen. Armengols Rede ist ein Plädoyer für eine andere Politik – eine, die den Menschen und nicht den Waffen dient. Die Tatsache, dass sie dies ausgerechnet im Beisein des Papstes formulierte, verleiht ihrer Botschaft zusätzliches Gewicht. Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, sieht Armengol die parlamentarische Rede des Pontifex als historisches "Symbol" – eines, das zeigt, dass "Stärke in Einheit und Übereinkunft" liege.

Eine Botschaft an die eigene Adresse?

Doch die Kritiker werden schnell einwenden: Ist das nicht blanke Heuchelei? Eine sozialistische Politikerin, die sich als Hüterin der Menschenrechte inszeniert, während ihre eigene Partei in Korruptionsskandale verstrickt ist und in der Koalitionsfrage mitunter jede Prinzipientreue vermissen lässt? Armengol mag sich auf die Seite der "Guten" stellen wollen, doch ihre Forderung nach einem "dialogorientierten" Frieden klingt in einer Zeit, in der die spanische Regierung selbst mit inneren Zerwürfnissen kämpft, reichlich hohl.

Die "Polarisierung", die Armengol als Bedrohung der Demokratien ausmacht, ist schließlich kein Naturphänomen – sie wird politisch erzeugt und befördert. Wenn die Präsidentin des Congreso nun also das "Zuhören" und den "Dialog" beschwört, dann sollte sie damit vielleicht nicht nur in Richtung Rom deuten, sondern auch den Blick auf die eigene politische Arena richten. Die Ankündigung, dass die Worte des Papstes "in Erinnerung bleiben werden", ist zweifellos richtig – doch die Erinnerung an leere Versprechungen verblasst bekanntlich schnell. Ob Armengols moralischer Appell mehr sein wird als eine Sonntagsrede, wird sich daran messen lassen müssen, ob aus den Worten auch Taten folgen. Und zwar nicht nur in der Kirche. Wie die Europa Press weiter ausführt, appellierte Armengol eindringlich an die Abgeordneten, sich den großen Herausforderungen der Zeit zu stellen – eine Aufforderung, die man getrost auch als Selbstverpflichtung verstehen darf.


Quelle: europapress.es

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