Andalusien plant 2,3 Prozent Wachstum

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Andalusien plant 2,3 Prozent Wachstum

von Redaktion3 Min. Lesezeit

Ein Etat als Selbstverpflichtung

Wer Zahlen nennt, die andere nicht bestätigen, muss gute Gründe haben. Oder einen Etat, der die eigenen Prognosen stützt. Die andalusische Regierung unter Juanma Moreno hat beides: einen Haushaltsentwurf von Rekordvolumen – und eine Wachstumsprognose, die mutiger ist als die aller unabhängigen Wirtschaftsforschungsinstitute. Für das kommende Jahr verspricht die Exekutive ein Plus von 2,3 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt. Das klingt nach Aufschwung, ist aber vor allem eines: ein politisches Statement.

Wie die Zeitung Europa Press berichtet, stützt sich die Regionalregierung bei ihren Annahmen auf die Autoridad Independiente de Responsabilidad Fiscal (Airef), die jedoch lediglich 2,1 Prozent Wachstum veranschlagt – ebenso wie die BBVA. Die Universität Loyola Andalucía sieht 2,2 Prozent, die Institute Hispalink und Ceprede sogar nur 2,0 Prozent. Die Junta liegt also über der Prognose sämtlicher externer Beobachter. Das könnte als Realismusbruch gewertet werden – oder als Versuch, dem eigenen Haushalt eine Erfolgsstory zu unterschreiben, bevor das Jahr überhaupt begonnen hat.

Vollbeschäftigung als Fernziel

Das ehrgeizige Szenario verspricht 92.800 zusätzliche Arbeitsplätze, die Zahl der Erwerbstätigen soll auf über 3,78 Millionen steigen. Die Arbeitslosenquote würde damit auf 13,9 Prozent sinken. Das wäre ein Fortschritt, zweifellos. Aber es wäre auch ein Eingeständnis: Noch immer wäre fast jeder siebte Erwerbsfähige ohne Arbeit. Von Vollbeschäftigung, wie sie in Nordeuropa längst Standard ist, bleibt Andalusien auch 2027 entfernt – selbst wenn die Junta ihre eigenen optimistischen Zahlen erreicht.

Die entscheidende Frage lautet nicht, ob diese Prognosen schön klingen, sondern ob sie halten, was sie versprechen. Die Regierung verweist auf eine Rekordsumme von fast 55 Milliarden Euro, die der Haushalt umfasst – sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Davon fließen 299 Millionen in Einstellungsanreize, 308 Millionen in berufliche Weiterbildung und knapp 121 Millionen in die Förderung von Selbstständigkeit. Besonders hervorzuheben ist das Programm „Emplea-T“, das 3.100 unbefristete Ersteinstellungen durch Kleinunternehmen und Solo-Selbstständige fördern soll. Das ist konkret, das ist förderpolitisch nachvollziehbar.

Doch es bleibt ein Widerspruch: Wenn die Regierung selbst mehr Wachstum erwartet als alle unabhängigen Institute, dann trägt sie die Beweislast. Wirtschaftsprognosen sind keine Glückssache, sondern das Ergebnis von Annahmen über Investitionen, Exporte, Konsum und strukturelle Reformen. Die andalusische Wirtschaft ist traditionell stärker von Tourismus und Landwirtschaft abhängig als andere Regionen Spaniens. Beide Sektoren sind anfällig für äußere Schocks – sei es durch geopolitische Krisen, Klimaveränderungen oder konjunkturelle Schwächephasen in den Herkunftsländern der Urlauber.

Opposition wird genau hinschauen

Die neue Koalition aus PP und Vox, die seit dem Sommer regiert, hat sich mit diesem Etat ein ehrgeiziges Zeugnis ausgestellt. Das ist politisch klug – solange die Zahlen stimmen. Sollten sie verfehlt werden, wird die Opposition nicht zögern, auf die Diskrepanz zwischen Ankündigung und Realität zu verweisen. Schon jetzt zeigt sich: Die Konsolidierung des Haushalts bei null Neuverschuldung ist kein Selbstläufer, sondern ein Ziel, das bei jeder unerwarteten Ausgabe auf die Probe gestellt wird.

Andalusien steht vor einer Bewährungsprobe. Die Regierung hat mit ihren Prognosen eine Messlatte gelegt, die sie selbst nur schwer überspringen wird. Das ist mutig – oder fahrlässig. Das Urteil darüber fällt nicht in Sevilla, sondern in den Unternehmen, den Arbeitsämtern und an den Ladentheken des Landes. Zahlen sind Versprechen, und Versprechen muss man einhalten.


Quelle: europapress.es

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