
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
78% der LGTBI+ fürchten um ihre Sicherheit
Die Stimmung unter LGTBI+-Menschen in Spanien ist dramatisch gekippt. Laut einer aktuellen Erhebung der Federación Estatal LGTBI+ (FELGTBI+) befürchten 78 Prozent der Befragten, dass ihre körperliche Sicherheit und ihre Gleichberechtigung – sowie die aller anderen vulnerablen Gruppen – durch Hassreden gefährdet werden. Mehr als die Hälfte (66 Prozent) sieht die Rechte aller Minderheiten durch die zunehmend polarisierte gesellschaftliche Lage bedroht.
Für die Analyse wurden rund 800 Interviews durchgeführt, ausgewertet in Zusammenarbeit mit einem Forschungsteam des Instituts für Politik und öffentliche Güter (IPP, CSIC) und der Agentur 40dB. Die Ergebnisse zeichnen ein düsteres Bild: Die gefühlte Bedrohung sei keineswegs übertrieben, betont Paula Iglesias, Präsidentin der FELGTBI+. Sie verweist auf eine separate Untersuchung der Organisation – „Estado del Odio 2026“ – die bereits im Mai einen drastischen Anstieg dokumentierte: Die Zahl der Angriffe auf Angehörige des Kollektivs habe sich verdreifacht.
Hass schlägt in Gewalt um
„Dieses Land kann nicht länger wegsehen“, warnt Iglesias. Hassreden schüfen ein Klima der Aufheizung, das unmittelbar in körperliche Gewalt umschlage. Unterstützt wird diese Einschätzung durch eine aktuelle Studie des spanischen Meinungsforschungsinstituts CIS, die ergab, dass 75 Prozent der Bevölkerung in Spanien bereits Beleidigungen gegen LGTBI+-Personen mitbekommen haben.
Trotz dieser besorgniserregenden Entwicklung sehen die Betroffenen klare Wege aus der Krise: 59 Prozent der LGTBI+-Menschen halten umfassende Bildungsmaßnahmen zur Diversität für das wirksamste Mittel gegen Hass. 51 Prozent fordern einen Staatspakt gegen Hassreden auf alle vulnerablen Gruppen.
Rechte als gesellschaftlicher Gewinn
Gleichzeitig zeigt die Studie eine interessante Ambivalenz: Rund drei Viertel der LGTBI+-Bevölkerung betrachten die erreichten Rechte als positiven gesellschaftlichen Fortschritt (79 Prozent) und als Schutzgewinn für alle (76 Prozent). Auch ein Drittel der konservativ eingestellten Befragten teilt diese Einschätzung – ein Zeichen, dass die Akzeptanz in Teilen der Mitte durchaus vorhanden ist.
Dennoch wiegt die Zukunftsangst schwer. Fast zwei Drittel (65 Prozent) des Kollektivs sehen ein reales Risiko von Rückschritten, sollte eine ultra-konservative Regierung an die Macht kommen. 37 Prozent befürchten sogar den Verlust sämtlicher erkämpfter Rechte.
Angesichts dieser Lage ruft Iglesias zur Teilnahme an der Pride-Demonstration am 4. Juli in Madrid auf. „Das Ausgehen ist nötiger denn je. Wir müssen laut und klar sagen, dass wir existieren, dass wir ein würdiges Leben verdienen und dass wir nicht allein sind. Wir sind die Mehrheit, die eine demokratische Gesellschaft ohne Hass, Angst und Gewalt verteidigt“, so die Präsidentin. Wie die Organisation mitteilt, ist die Madrider Parade die größte LGTBI+-Kundgebung Europas.
Mehr zum Thema bei 20minutos.es
Quelle: 20minutos.es