Zwischen Wohnmobil und Zukunftswunsch

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Palma de Mallorca

Zwischen Wohnmobil und Zukunftswunsch

von Clara Weber

Im zwölf Quadratmeter großen Zuhause

Morgens geht sie zur Arbeit in eine Inspektionsbehörde der Regionalregierung, abends kehrt sie in ihr mobiles Zuhause auf vier Rädern zurück. Mit 31 Jahren hat M. Bibiloni, die eigentlich aus Campos stammt, einen vermeintlich sicheren Job im öffentlichen Dienst. Doch seit einem Jahr lebt sie in einer Autocaravana in Palma. "Diese Entscheidung war kein Lifestyle-Choice", betont sie im Gespräch. "Nachdem ich alle Zahlen durchgerechnet habe, war klar: Eine Miete zu zahlen raubt mir jede Sparmöglichkeit und verbaut mir eine stabile Zukunft." Das Wohnmobil sei für sie eine rein pragmatische, temporäre Lösung.

Ihr Alltag ist durchgetaktet und dreht sich um die vermeintliche Freiheit auf Rädern. Im Winter parkt sie oft im Viertel Ciutat Jardí, im Sommer wechselt sie zu Orten wie Son Rapinya oder La Vileta. Immer mit dabei ist ihre Hündin Sidra. "Ich arbeite hier, ich steuere hier bei und ich möchte auf Mallorca bleiben können", fasst sie ihren Grundkonflikt zusammen. "Ich habe alles getan, was von meiner Generation erwartet wird: studiert, einen Job gefunden, mich stabilisiert. Und es reicht trotzdem nicht für eine Wohnung."

Der harte Kampf um Ersparnisse

Die Zahlen geben ihr recht. Während eine kleine Einzimmerwohnung in Palma leicht über 1.000 Euro Miete kostet, belaufen sich ihre monatlichen Fixkosten für das Wohnmobil – inklusive Rate, Versicherung und Unterhalt – auf nur 300 bis 400 Euro. Die Differenz von rund 1.000 Euro kann sie monatlich zur Seite legen. "Ich überlebe nicht mehr von einem Gehaltscheck zum nächsten. Ich kann endlich für die Zukunft sparen", so Bibiloni. Dennoch warnt sie davor, ihre Situation zu romantisieren: "Es ist nicht bequem, nicht besonders günstig und auf Dauer keine Lebensperspektive."

Ihr eigentlicher Wunsch ist konventionell: eine eigene Wohnung, die Möglichkeit, eine Familie zu gründen, Stabilität. "Ich will keine Privilegien, ich möchte einfach nur ein würdevolles Leben in meiner Heimat führen", sagt sie. Seit Jahren steht sie auf den Wartelisten des ibavi, des balearischen Wohnungsbauinstituts, für eine öffentlich geförderte Wohnung.

Politik kriminalisiert das Symptom

Ihre Entscheidung, öffentlich über ihre Lage zu sprechen, fiel nach Aussagen der Stadtverwaltung von Palma, die laut einem Bericht des "Diario de Mallorca" mehr "Ordnung" schaffen und die Stadt vor einer Zunahme solcher Fahrzeuge schützen will. "Das tut weh", sagt Bibiloni, "weil der Fokus auf den Autocaravanas liegt und nicht auf dem strukturellen Problem dahinter." Sie fühlt sich kriminalisiert: "Das Problem sind nicht wir, sondern die Wohnungskrise. Sie bestrafen das Symptom und ignorieren die Ursache."

Gleichzeitig distanziert sie sich von eventuellen Ruhestörern oder denen, die öffentliche Flächen verschmutzen. "Wer gegen Regeln verstößt, soll bestraft werden. Wir, die hier leben, sind sogar dankbar dafür, denn sonst werden wir alle in eine Schublade gesteckt." Ihrer Erfahrung nach ist das Verhältnis zu den Anwohnern in den Stadtvierteln meist entspannt. "In Ciutat Jardí war die Nachbarschaft sehr gut. Wir lebten ganz normal zusammen, wie überall."

Kein Einzelfall, sondern ein Systemproblem

Ihre Geschichte ist kein Extremfall. Bibiloni betont, sie habe viele Menschen in ähnlichen Situationen kennengelernt: Angestellte, Beamte, junge Menschen mit festen Jobs, die in Wohnwagen, Autos oder überteuerten WGs landen. "Früher schien ein fester Job der Schlüssel zur Wohnung zu sein. Heute reicht das nicht mehr", stellt sie fest. Ein zusätzliches Hindernis war für sie die Hündin Sidra, die viele Vermieter ausschließt.

Ihre zentrale Botschaft an die Politik ist eindeutig: Der Diskurs dürfe nicht bei Verboten für Wohnmobile enden. "Der Fokus muss darauf liegen, das Wohnungsproblem zu lösen, das ist das Dringendste." Doch sie wünscht sich auch mehr Verständnis dafür, wer in diesen Fahrzeugen steckt. "Hinter den Autocaravanas stehen oft ganz normale Menschen, die nur versuchen, auf ihrer Insel leben zu bleiben." Für sie ist das Wohnmobil kein Ziel, sondern ein Zeichen des Scheiterns eines Marktes, der junge Menschen mit solidem Einkommen aussperrt.


Quelle: diariodemallorca.es