
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Wohnkosten zwingen Hunderttausende zum Verzicht auf Essen
Die Lebensmittelunsicherheit in Spanien hat ein alarmierendes Ausmaß erreicht: Rund 2,8 Millionen Menschen können sich keine gesunde Ernährung mehr leisten, wie aus dem Jahresbericht der Hilfsorganisation Cáritas hervorgeht. Besonders betroffen sind Haushalte mit hohen Wohnkosten – sie sind gezwungen, ihre Essensausgaben zu reduzieren oder ganz auf Mahlzeiten zu verzichten.
Wohnkosten als Haupttreiber
Nach Angaben von Cáritas hat die Explosion der Wohnkosten direkte Auswirkungen auf die Ernährungssituation. Im vergangenen Jahr stiegen die Preise für den Erwerb von Immobilien um 13 Prozent, Mieten verteuerten sich um 4 Prozent. Gleichzeitig zogen die Preise für Grundnahrungsmittel an: Leguminosen um 16 Prozent, Gemüse um 15 Prozent, Eier um 14 Prozent und Fisch um 10 Prozent. Vor diesem Hintergrund reduzierten 56 Prozent der von Cáritas betreuten Menschen ihre Mahlzeiten – 686.000 Personen gaben an, ganze Tage ohne Essen auskommen zu müssen.
„Die Wohnkosten sind eine Last, die so schwer wiegt, dass sie selbst bei der grundlegendsten Versorgung wie Ernährung Einschnitte erzwingt“, erklärte María González Dyne, Generalsekretärin von Cáritas Spanien. In den meisten betroffenen Haushalten seien Frauen oder Menschen mit prekären Jobs die Hauptverdiener.
Rekordausgaben und steigende Nachfrage
Cáritas investierte 2025 insgesamt 529,9 Millionen Euro in Projekte im In- und Ausland – ein Anstieg um 8,11 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Fast 2,1 Millionen Menschen wurden unterstützt, darunter rund 1,1 Millionen in Spanien. Dennoch steigt der Druck: Besonders stark wuchs die Nachfrage nach juristischer Beratung – um 58 Prozent. Grund sei unter anderem die neue Ausländerverordnung, die eine schwierige Wahl zwischen internationalem Schutz und Aufenthaltstiteln erzwinge.
Auch die Programme für Familien, Kinder und Jugendliche sowie für obdachlose Menschen verzeichneten deutliche Zuwächse. „Die Menschen versuchen zunächst, andere Ausgaben zu streichen oder Hilfe zu suchen, bevor sie ihre Wohnsituation ändern. Ein Umzug oder eine Veränderung des Familiengefüges sind oft irreversible Schritte“, betonte González Dyne.
Migranten und die Hoffnung auf Regularisierung
Parallel zur akuten Ernährungsnot läuft ein Verfahren zur außerordentlichen Regularisierung von Migranten. Cáritas hatte die entsprechende Gesetzesinitiative maßgeblich unterstützt. Überraschend erreichte die Zahl der Anträge die Millionengrenze. Manuel Bretón, scheidender Präsident der Organisation, zeigte sich erfreut: „Wir hoffen, dass die meisten diesen Schritt schaffen – das war unsere Mission.“ Mit der bloßen Zulassung zur Prüfung des Verfahrens dürfen Betroffene bereits legal arbeiten und sozialversichert werden.
Cáritas kündigte an, sich in das Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof einzuschalten, das vom spanischen Obersten Gerichtshof angestoßen wurde. Die Organisation will die Regularisierung verteidigen. Wie Cáritas in ihrem Bericht abschließend feststellt, droht das Wohnungsproblem ohne politische Gegenmaßnahmen zu einem der Hauptfaktoren sozialer Ausgrenzung zu werden – mit verheerenden Folgen für die Ernährungssicherheit.
Quelle: 20minutos.es