
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Mitleid, das keine Grenzen kennt
Zahlenspiele am Morgen danach
Ein Toter. Zwölf Vermisste. 75 auf null heruntergebrochene Schicksale. Das Erdbeben der Stärke 7,4 hat in Kolumbien nicht nur die Erde aufgerissen, sondern auch unseren Sinn für Verhältnismäßigkeiten offengelegt. Während Spanien den Tod eines Doppelstaatlers bestätigt, bleibt es seltsam still in der Wahrnehmung, wie wir mit Katastrophen haushalten: mit Statistiken, Sprechzeiten und Ausschussnummern.
Der eine Moment, in dem die Welt wach wird
Man stelle sich vor, ein solches Beben hätte es in der Europäischen Union gegeben. Wochenlange Titelgeschichten wären die Folge, Dauerberichterstattung, Menschenketten. Vielleicht hätte Herr Albares – der es ja sonst nicht so mit deutlichen Worten hat – schon lange mehr als eine Million Euro als Soforthilfe versprochen. So wie es das spanische Außenministerium mitteilt, sind es genau diese: eine Millionen Euro, bereitgestellt für Notunterkünfte, Wasseraufbereitung und medizinische Versorgung. Ein Tropfen auf gleich mehrere heiße Steine.
Ein doppeltes Ende der Nächstenliebe
Beim Tod des 45-Jährigen mit spanischem und kolumbianischem Pass dürfen wir Trauer nicht nur zwischen den Zeilen der Pressemitteilungen auflösen. Wir dürfen uns nur nicht von dieser Zahl von 496 Vermissten blenden lassen. Sie alle verlangen nicht weniger als Aufmerksamkeit – allerdings interessiert uns ihre Existenz nur deshalb, weil hier ein Rechtsstaat betroffen ist, der unsere Werte teilt.
Wie Axarquia Plus berichtet, ist die letzte große Zahl im spanischen Journalismus nicht die der Toten, sondern die der Überlebenden, die uns brauchen. Es wäre zu wünschen, sie würde unsere Form der Zuwendung nicht an messbarer Effizienz, sondern an ihrem moralischen Mehrwert ermessen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Die andere: Die Hilfe kommt – nur eben öfter, als uns lieb ist, ein bisschen zu spät.
Quelle: Axarquia Plus
Quelle: axarquiaplus.es