
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Viele Faktoren führten zur tödlichen Sturzflut
Das Unglück
Am Samstagabend gegen 19:30 Uhr hatte eine plötzliche Wasserwand einen Erdrutsch ausgelöst. In dem kleinen Ort Manzaneda de Valdueza, der zur Gemeinde Ponferrada in der Region El Bierzo gehört, ergossen sich Schlamm und Geröll über die Calle de la Iglesia und drangen in eine Bodega, in der sich sechs Menschen aufhielten. Zwei Frauen im Alter von etwa 60 Jahren kamen ums Leben, zwei kleine Kinder wurden leicht verletzt. Ein 60-jähriger Mann und eine 30-jährige Frau wurden ins Krankenhaus gebracht, ein 70-Jähriger wurde noch am Ort entlassen. Ein 80-Jähriger, der zunächst vermisst worden war, wurde unverletzt gefunden.
Meteorologische Erklärung
Die spanische Wetterbehörde Aemet führt das Unglück nicht auf einen einzelnen Auslöser zurück, sondern auf das Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Manuel Mora, Delegierter der Aemet in Kastilien und León, verweist auf die Eigenart von Sommergewittern: Sie entladen sich oft in sehr kurzer Zeit mit extremen Niederschlagsmengen. „Es fällt Wasser in sehr wenig Zeit“, sagt Mora. Statistisch gibt es in Ponferrada im August zwei bis drei Gewittertage. Entscheidend sei die Intensität.
Kommt die von Bergen umgebene Tallage hinzu, kann sich das Wasser in den Tälern sammeln. Auch der Zustand des Bodens spielt eine Rolle: Vegetation speichert Wasser, während nach Waldbränden der Boden kaum noch etwas zurückhält und der Oberflächenabfluss deutlich größer ist. Im Fall des Unglücks seien offenbar mehrere dieser Faktoren zusammengetroffen.
Lokale Gewitter, große Unterschiede
Radarbilder der Aemet deuten auf intensive Niederschläge an dem Ort des Geschehens hin, auch wenn dort keine automatische Messstation steht. Die Messwerte aus der Umgebung zeigen, wie punktuell das Gewitter war: In Sahechores fielen 78 Liter pro Quadratmeter, davon 20 Liter binnen zehn Minuten und 44 Liter in einer Stunde. Am Stausee von Miñera de Luna waren es 23 Liter in zehn Minuten und 48 Liter in einer Stunde. In Ponferrada selbst kamen dagegen nur 0,4 Liter pro Quadratmeter an, in Villameca 1,4 und in Laguna de Somoza 1,5 Liter.
Grenzen der Vorhersagbarkeit
Dass solche Phänomene schwer vorherzusagen sind, betont auch Andrea Danta von Meteored. Zwar hätten Warnungen vorgelegen, doch der genaue Ort eines Unwetters lasse sich kaum bestimmen. „Man kann vorhersagen, dass etwas passiert, aber nicht, wo es punktgenau zuschlägt“, erklärte die Meteorologin. Bei der aktuellen Lage sei viel Wärme am Boden auf kalte Luft in der Höhe getroffen, zusammen mit trockenen Böden eine Kombination, die starke Instabilität begünstigt. Solche Bedingungen können auch außerhalb der klassischen Herbst- und Frühlingsmonate zu schweren Sturzfluten führen.
Die Hydrografie entscheidet letztlich darüber, ob aus einem Starkregen eine lebensbedrohliche Flut wird. Die Aemet weist darauf hin, dass die eigentliche Flut ein hydrologisches Phänomen ist – die Meteorologie kann nur den Regen liefern.
Quelle: 20minutos.es