Vater einer 25-Jährigen spricht nach ihrer Euthanasie

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Barcelona

Vater einer 25-Jährigen spricht nach ihrer Euthanasie

von Clara Weber

Emotionale Stellungnahme im Schatten einer Gesetzesreform

Während der spanische Kongress über eine Beschleunigung von Gerichtsverfahren in Euthanasie-Angelegenheiten debattierte, veröffentlichte die Vereinigung Abogados Cristianos ein Video mit einem persönlichen Zeugnis. Darin äußert sich Gerónimo Castillo, Vater der 25-jährigen Noelia Castillo, der sich nach dem ärztlich begleiteten Tod seiner Tochter “ohnmächtig und gescheitert” fühlt. Seiner Aussage nach konnte er sich nicht einmal mehr von ihr verabschieden.

Wie die Kanzlei, die den Vater in den vergangenen zwei Jahren rechtlich beriet, mitteilte, verstarb Noelia Castillo am 26. März in einer Einrichtung in Sant Pere de Ribes bei Barcelona. Der Vater betont in der Aufnahme seinen anhaltenden Wunsch, für seine Tochter hätte sorgen wollen, wenn sie sich für das Leben entschieden hätte.

Ein Rechtsstreit, der die Beziehung zerrüttete

Die Vorgeschichte ist von einem komplexen Rechtsstreit geprägt. Noelia Castillo litt unter einer 74-prozentigen Behinderung, die auf Folgen eines Suizidversuchs im Jahr 2022 zurückging, nachdem sie Opfer einer Gruppenvergewaltigung geworden war. Ihr Vater leitete juristische Schritte ein, um den von ihr beantragten assistierten Sterbeprozess zu verhindern.

Castillo schildert, dass sich das Verhältnis zu seiner Tochter genau zu diesem Zeitpunkt dramatisch verschlechterte. Aus täglichen Besuchen wurde ein vollständiger Kontaktabbruch. “Sobald ich mit der Klage begann, um dies aufzuhalten, sagte sie: ‘mein Vater, verurteilt’”, zitiert er seine Tochter in dem veröffentlichten Video.

Parlamentarischer Vorstoß aus Katalonien

Die emotionale Stellungnahme fällt zeitlich mit einer legislativen Bewegung zusammen. Die Abgeordnetenkammer stimmte mit 178 zu 169 Stimmen dafür, einen Gesetzesvorschlag aus dem katalanischen Parlament zu behandeln. Diese Initiative zielt darauf ab, verschiedene Aspekte des Rechts auf einen würdevollen Tod zu modifizieren und vor allem gerichtliche Fristen in solchen Verfahren zu verkürzen.

Während die parlamentarische Mehrheit den Vorstoß unterstützte, lehnten die Parteien PP, Vox und UPN ihn ab. Die Debatte über die ethischen und rechtlichen Rahmenbedingungen der Sterbehilfe bleibt somit hochaktuell und emotional aufgeladen.

Persönliches Leid im Zentrum der Kontroverse

Im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion steht jedoch weiterhin das individuelle Schicksal. “Ich hätte sie bis zu meinem eigenen Tod versorgt”, sagt Gerónimo Castillo in der Aufnahme und macht seine tiefe Verzweiflung deutlich. Er kritisiert in seinen Aussagen auch diejenigen, die seiner Ansicht nach nicht genug für seine Tochter getan hätten, und lobt gleichzeitig die Arbeit von Abogados Cristianos.

Sein abschließender Satz im Video bringt die Tragik der Situation auf den Punkt: “Ich wäre der glücklichste Mann gewesen, wenn sie sich entschieden hätte, mit mir weiterzuleben.” Sein Fall zeigt die menschlichen Konflikte auf, die hinter den abstrakten Gesetzesdebatten stehen können.


Quelle: 20minutos.es

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