
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Unbegrenzter Streik bei Flughafen-Assistenzdienst
Der Arbeitskampf am größten Flughafen der Balearen eskaliert. Seit heute, Dienstag, dem 26. Mai, befindet sich das Personal für die Betreuung von Passagieren mit eingeschränkter Mobilität (PMR) erneut im unbefristeten Teilstreik. Die Maßnahme folgt auf einen gescheiterten Verhandlungsmarathon in der Nacht zuvor, wie der Vorsitzende des Betriebsrats, Jairo Aranda, gegenüber dieser Redaktion bestätigte.
Chronologie eines Scheiterns
Ursprünglich für Montag geplant, war der Streik zunächst ausgesetzt worden, um in letzten Gesprächen eine Einigung zu erzielen. Laut Angaben des Betriebsrats forderte die Arbeitgeberseite während des Montags eine Fortsetzung dieser Aussetzung, brachte jedoch selbst keinerlei neue Verhandlungsangebote vor. Eine anschließende interne Abstimmung unter der Belegschaft ergab eine deutliche Entscheidung: 85 Prozent der Beschäftigten sprachen sich dafür aus, den Streikplan umzusetzen. Nach Übermittlung dieses Votums sei die Geschäftsführung aus den Verhandlungen ausgestiegen und habe damit auch bereits am Wochenende erzielte Zwischenvereinbarungen aufgekündigt.
Der Streik wird in Form täglich wechselnder Teilzeitblöcke durchgeführt. An diesem Dienstag finden Ausstände von 05:00 bis 07:00 Uhr, von 12:00 bis 14:00 Uhr und von 18:00 bis 20:00 Uhr statt. Das Muster setzt sich bis Sonntag fort und schließt einen kompletten 24-stündigen Streik am Samstag ein.
Systematische Vertragsverletzungen als Kernkonflikt
Als zentraler Auslöser des Arbeitskampfes nennt das Komitee die anhaltende Nicht-Erfüllung eines früheren Streikbeilegungsabkommens. In diesem waren verbindliche Zusagen zur rechtzeitigen Veröffentlichung von Dienstplänen, zur Stabilität der Arbeitszeiten sowie zur Informationspflicht gegenüber dem Betriebsrat festgehalten worden. "Diese Verpflichtungen bleiben bis heute uneingelöst", so die einheitliche Darstellung der Streikenden.
Die Praxis sei stattdessen von Improvisation und ständigem Druck geprägt. Dutzende Teilzeitkräfte müssten nahezu täglich und oft mit nur kurzfristiger Vorankündigung ihre Dienstzeiten erweitern, häufig weit über die vertraglich vereinbarten Grenzen hinaus. Der Betriebsrat legt konkrete Zahlen vor: Im vergangenen Jahr seien mehr als 9.000 Überstunden auf diese ungeplante Weise angefallen. Allein im April 2025 seien es bereits über 1.800 Stunden gewesen. Extremfälle hätten zwischen Januar und April bis zu 95 geleistete Überstunden angesammelt – ein Zustand, der auf einen strukturellen Personalmangel zurückgeführt wird.
Weitere Konfliktfelder: Sicherheit, Belastung, Dauerverfügbarkeit
Die Untersuchung ergibt weitere gravierende Vorwürfe:
- Arbeitssicherheit: Es lägen technische Berichte vor, die konkrete Sicherheitsrisiken in Fahrzeugen auf dem Vorfeld dokumentieren. Dazu zählen Absturzgefahren an Hocharbeitsplätzen, defekte Zugangsplattformen und andere Mängel, die trotz Kenntnisnis noch nicht behoben seien.
- Psychische Belastung: Die Arbeitnehmervertretung fordert seit Monaten spezifische Studien zu Stress, Arbeitsbelastung und der Exposition des Personals in Konfliktzonen des Terminals, besonders bei Personalmangel und hohem Passagieraufkommen. In diesen Situationen komme es regelmäßig zu Beleidigungen und hohem psychischem Druck für die Mitarbeiter.
- Fehlende digitale Abgrenzung: Ein verbindliches Protocol zur digitalen Nichterreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit wurde nie verhandelt. Die Firma nutze dennoch permanent private Telefonate, Nachrichten und Messenger-Dienste, um kurzfristig Dienste anzubieten, zu ändern oder operative Anweisungen zu geben.
- Planungsunsicherheit: Die ständige kurzfristige Änderung der Dienstpläne mache eine verlässliche Organisation von Ruhezeiten, Urlaub und Familienleben praktisch unmöglich.
Die Gesamtsituation habe dazu geführt, dass "Improvisation und permanente Verfügbarkeit zum betrieblichen Standard geworden sind", fasst Betriebsratsvorsitzender Aranda die Lage zusammen. Ein Ende des Streiks ist vorerst nicht abzusehen, solange keine substanziellen Verhandlungsangebote der Arbeitgeberseite vorliegen.
Quelle: europapress.es