
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Tod am Strand, Schweigen im Parlament
Der Preis der Unachtsamkeit
Vier Tote in drei Tagen. Zwei von ihnen waren Kinder. Ein Fünfjähriger ringt auf einer Intensivstation um sein Leben, eine 80-Jährige liegt im Koma. Das letzte Juniwochenende in Spanien war kein Ausreißer, es war die Regel. Wie die Nachrichtenagentur 20 Minutos berichtet, ereigneten sich die tödlichen Zwischenfälle an der Costa del Sol, in Lanzarote, in Tarragona, Valladolid und Almería – kein Ort ist immun, keine Region sicher.
Unbeaufsichtigte Strände, unbeaufsichtigte Kinder
In Vélez-Málaga stirbt ein 65-Jähriger mitten am Tag an einem belebten Strand. Keine Rettungsschwimmer in Sicht. In L’Ampolla, Tarragona, erstickt eine 80-Jährige am Wasser – die Küste hat nicht einmal einen Wachdienst. Das ist kein Zufall, sondern politische Prioritätensetzung. Kommunen sparen sich das Personal, kalkulieren das Risiko ein. Dass die Familie eines zehnjährigen Jungen in Valladolid stundenlang auf die Bergung des Kinderleibes aus dem Pisuerga warten musste, zeigt: Auch die Rettungsketten hängen nur so fest, wie die Politik sie schmiedet.
Fünf Jahre alt, im Hotelpool
Ein Fall zeigt die besondere Bitterkeit der Bilanz: Auf Lanzarote wird ein Fünfjähriger aus dem Pool eines Hotelbetriebs gezogen, schwer verletzt, überlebt nur knapp. Kein Elternteil muss sich hier fragen, ob es hätte anders kommen können. Nein. Die Frage muss lauten: Warum wird immer noch so getan, als seien Schwimmbäder sichere Orte, wenn doch jedes Jahr Dutzende von Kindern in ihnen ertrinken? Die spanische Gesellschaft verdrängt die Gefahr – bis die Leichen gezählt werden.
Und dann der letzte Schlag: Eine Vierjährige ertrinkt in Almería im privaten Pool eines Landhauses. Keine Absperrung, keine Alarmanlage, kein zweites Paar Augen. Die Sanitäter kommen, die Wiederbelebung scheitert. Dreißig Minuten später heißt es: Protokoll für psychologische Betreuung der Familie aktiviert. Was für ein perfider Euphemismus für „Es war zu spät“.
Fakten, die ins Auge springen
Nach Angaben der staatlichen Notrufkoordination 112 sind allein an diesem Wochenende mindestens sechs schwere Ertrinkungsfälle registriert worden. Die meisten an Orten ohne professionelle Wasseraufsicht. In Spanien sterben jährlich rund 400 Menschen durch Ertrinken, ein Drittel davon an unbewachten Stränden oder in privaten Becken. Die Zahl der verhinderten Todesfälle ist nicht messbar – aber die der Verhinderten schon.
Ein System, das leugnet
Es wäre billig, jetzt von „tragischen Einzelfällen“ zu sprechen. Das sind sie nicht. Es ist ein strukturelles Versagen, das jedes Jahr die gleichen Opfer fordert: Kinder, Senioren, Urlauber an falschen Stränden. Solange die Politik die Prävention dem Zufall überlässt, werden wir weiter diese Meldungen lesen. Und uns wundern, dass die Toten nie eine Lobby hatten.
Quelle: 20 Minutos, Artikel „Cuatro muertos por ahogamiento, dos de ellos niños, el último fin de semana de junio“, 30. Juni 2024.
Quelle: 20minutos.es