
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Tarradellas' Sohn in der Schweiz gestorben
Abschied von einem stillen Bewahrer der Erinnerung
Am vergangenen Freitag ist Josep Tarradellas i Macià in Lausanne verstorben. Der Sohn des früheren Präsidenten der katalanischen Regionalregierung, Josep Tarradellas, wurde 84 Jahre alt. Wie die Familie Tarradellas-Kauffmann in einer Mitteilung am Samstagnachmittag bekannt gab, hinterlässt er seine Frau, Kinder und Enkelkinder. Die Trauerfeier ist für Mittwoch, den 11. November, um 16:30 Uhr im Bestattungszentrum von Montoie in Lausanne geplant.
Geboren wurde Tarradellas i Macià 1942 im französischen Exil. Sein Vater führte die Generalitat von 1954 bis 1980 im Untergrund und kehrte nach dem Tod Francos 1977 nach Katalonien zurück. Die Mutter Maria Antònia Macià starb 2001, seine Schwester Montserrat bereits 1984.
Interessant ist die persönliche Verbindung zur jüngsten Geschichte: Am 7. September konnte er nicht an der Eröffnung des Any Tarradellas teilnehmen – einer Gedenkreihe anlässlich des 50. Jahrestags der Rückkehr seines Vaters aus dem Exil. Stattdessen vertrat ihn sein eigener Sohn.
Der amtierende Präsident Salvador Illa würdigte den Verstorbenen als angesehenen Wissenschaftler und „diskreten Hüter eines unverzichtbaren Erbes für das Verständnis des heutigen Kataloniens“. Sein Vorgänger Pere Aragonès schrieb auf X: „Die Geschichte seiner Familie ist die Geschichte einer Generalitat, die standhaft blieb – immer im Dienst des katalanischen Volkes.“ Auch die Sozialistische Partei Kataloniens (PSC) sprach ihr Beileid aus und betonte seinen Einsatz für die Bewahrung des väterlichen Vermächtnisses.
Hintergrund: Die Familie Tarradellas verkörpert eine besondere Epoche der katalanischen Politik. Der Vater führte die Institution im Exil wie eine Schattenregierung – mit Briefköpfen, Siegeln und eigenen Archiven. Diese Beharrlichkeit ermöglichte es, nach dem Ende der Diktatur nahtlos an demokratische Traditionen anzuknüpfen. Dass der Sohn dieses Erbe aus der Schweiz heraus bewahrte, fernab des politischen Zentrums Barcelona, passt zur Familiengeschichte: Auch der Vater hatte von Frankreich aus agiert. Nun findet die letzte Reise des Sohnes in der Stadt statt, die ihm zur Heimat wurde.
Quelle: europapress.es