Suspendierungsforderung gegen Guardia-Civil-Spitze

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Spanien

Suspendierungsforderung gegen Guardia-Civil-Spitze

von Jonas Beck

Juristischer Vorstoß gegen Führungsebene der Guardia Civil

Die als Nebenklägerin in mehreren Verfahren gegen Regierung und PSOE auftretende Partei Iustitia Europa hat Verteidigungsministerin Margarita Robles aufgefordert, den stellvertretenden operativen Direktor (DAO) der Guardia Civil, Manuel Llamas, vorläufig von seinen Aufgaben zu entbinden. Hintergrund ist dessen formelle Anklage im Zusammenhang mit den mutmaßlichen Manövern von Leire Díez gegen die Zentrale Operative Einheit (UCO) des Instituts.

Wie die Partei in einem Schreiben an das Ministerium ausführt, sieht das Gesetz über das Personal der Guardia Civil eine solche Suspendierung vor, wenn die Schwere der vorgeworfenen Handlungen und die dadurch ausgelöste gesellschaftliche Beunruhigung dies rechtfertigen. Llamas und die ebenfalls angeklagte Direktorin Mercedes González müssen sich am 16. Juli erstmals vor dem Ermittlungsrichter Santiago Pedraz verantworten. Ihnen werden vorsätzliche Rechtsbeugung und Strafvereitelung zur Last gelegt.

Gesetzliche Grundlage und Bewertungskriterien

Iustitia Europa stützt sich auf Artikel 92 des Personalgesetzes. Dieser ermächtigt die Ministerin, ein Mitglied des Instituto Armado zu suspendieren, sobald ein Ermittlungsverfahren eröffnet, eine Anklage erhoben oder eine andere strafprozessuale Maßnahme verhängt wurde – oder aber ein Disziplinarverfahren wegen einer besonders schweren Verfehlung eingeleitet ist. Zwar besteht derzeit weder für Llamas noch für González Untersuchungshaft oder eine andere einschränkende Maßnahme. Dennoch müsse Robles nach dem Gesetz mehrere Faktoren abwägen: die Schwere der vorgeworfenen Taten, das Bestehen oder Fehlen von Haftgründen, den Schaden für das Ansehen des Instituts und die gesellschaftliche Beunruhigung.

Glaubwürdigkeit des Instituts als zentrales Argument

In dem siebenseitigen Schreiben argumentiert der Parteivorsitzende und ehemalige Guardia Civil Luis María Pardo, der als Rechtsanwalt fungiert, dass die Anklage unmittelbar das Vertrauen der Bürger in die Neutralität, Unabhängigkeit und Sauberkeit der Guardia Civil sowie den Schutz laufender gerichtlicher Ermittlungen berühre. Eine weitere Ausübung des Amtes durch den Beschuldigten könne dem Prestige der Behörde und dem öffentlichen Vertrauen in ihre Kriminalpolizei irreparable Schäden zufügen.

Keine Reaktion aus dem Innenministerium

Innenminister Fernando Grande-Marlaska hatte unmittelbar nach Bekanntwerden der Anklagen am Donnerstag sein Vertrauen in beide Beschuldigten bekundet und eine Ablösung ausgeschlossen. Iustitia Europa fordert nun, dass das Verteidigungsministerium unverzüglich ein Disziplinarverfahren gegen Llamas einleitet und ihn vorläufig suspendiert. Zugleich solle der Fall an das Innenministerium weitergeleitet werden, damit dieses über eine Versetzung oder Entlassung aus dem derzeitigen Dienstposten entscheide.

Wie die Nachrichtenagentur 20minutos berichtet, ist die rechtliche Prüfung durch die Ministerin noch nicht abgeschlossen. Derzeit gilt für beide Angeklagten die Unschuldsvermutung; erste richterliche Anhörungen stehen im Juli an.


Quelle: 20minutos.es