Spaniens steigende Steuerlast auf Arbeitseinkommen

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Spanien

Spaniens steigende Steuerlast auf Arbeitseinkommen

von Redaktion

Steuerliche Belastung der Arbeitnehmer in Spanien erreicht neues Hoch

Der Anteil der Gesamtarbeitskosten, der an den Fiskus und die Sozialversicherung fließt – in der Fachsprache als “Steuerkeil” bezeichnet – ist in Spanien seit 2019 deutlich gestiegen. Nach dem jüngsten, an diesem Mittwoch veröffentlichten Bericht “Taxing Wages” der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) stieg dieser Wert von 39,8 Prozent im Jahr 2019 auf 41,4 Prozent im Jahr 2025. Dies entspricht einem Anstieg um 1,6 Prozentpunkte.

Innerhalb der größten Volkswirtschaften der Europäischen Union weist Spanien damit den höchsten Zuwachs der fiskalischen Belastung auf Arbeitseinkommen seit Beginn der Pandemie auf. Im OECD-weiten Vergleich wird dieser Anstieg nur noch von Estland, Litauen, Slowenien und Luxemburg übertroffen.

Details der Abgabenstruktur und internationale Einordnung

Eine methodische Zerlegung des spanischen Steuerkeils von 41,4 Prozent offenbart die Verteilung der Last: 13,1 Prozent entfallen auf die Einkommensteuer (IRPF), 5,0 Prozent auf die Sozialversicherungsbeiträge des Arbeitnehmers und 23,4 Prozent auf die obligatorischen Beiträge des Arbeitgebers. Die OECD behandelt letztere aus fiskalischer Perspektive, da es sich um eine gesetzliche Pflichtabgabe handelt, die jedoch als Gegenleistung einen Anspruch auf künftige Rentenzahlungen begründet.

Die Positionierung Spaniens im internationalen Kontext zeigt ein differenziertes Bild. So liegt der spanische Steuerkeil zwar klar über dem OECD-Durchschnitt von 35,1 Prozent, bleibt jedoch unter den Werten mehrerer großer Nachbarländer. Den höchsten Wert im OECD-Vergleich verzeichnet Belgien mit 52,5 Prozent, gefolgt von Deutschland (49,3%), Frankreich (47,2%), Österreich (47,1%) und Italien (45,8%). In Deutschland und Frankreich blieb die Belastung seit 2019 unverändert, in Italien sank sie sogar um 2,1 Prozentpunkte.

Treiber der Entwicklung und Kaufkraftverlust

Die Analyse der Daten weist auf die Einkommensteuer als primären Treiber des Anstiegs in Spanien hin. Für einen alleinstehenden Arbeitnehmer mit einem Durchschnittsgehalt von 32.678 Euro (nach OECD-Definition) stieg der effektive Einkommensteuersatz von 15,4 Prozent im Jahr 2019 auf 17,1 Prozent im Jahr 2025. Dieser Anstieg ist vor allem auf die nominelle Erhöhung der Durchschnittsgehälter in diesem Zeitraum zurückzuführen, welche Arbeitnehmer in höhere Progressionsstufen der Steuertabelle rutschen ließ.

Hierbei zeigt sich ein zentrales Problem: Die starke Inflation in den Jahren nach der Pandemie hat dazu geführt, dass der nominale Gehaltszuwachs nicht mit einem entsprechenden Zuwachs der Kaufkraft einherging. Die Konsequenz ist, dass für ein Realeinkommen, das keinen höheren Lebensstandard garantiert, ein höherer Steuerbetrag gezahlt wird.

Ungleiche Verteilung und der Effekt der “Armutsfalle”

Die fiskalische Belastung variiert erheblich in Abhängigkeit vom Familientyp und Einkommensniveau. Für einen alleinstehenden Arbeitnehmer mit niedrigem Einkommen (21.895 Euro) beträgt der Steuerkeil 37,9 Prozent. Bei einem Alleinverdiener mit hohem Einkommen (54.573 Euro) steigt er auf 46,2 Prozent an. Familien entlastet das System: Ein alleinerziehender Elternteil mit niedrigem Einkommen und Kindern kommt auf eine Belastung von lediglich 28,5 Prozent.

Die Studie der OECD identifiziert jedoch ein systemisches Problem, das als “Armutsfalle” bezeichnet wird. Besonders Haushalte mit sehr niedrigen Einkommen und Kindern stehen vor einem perversen Anreiz: Eine Erhöhung ihres Arbeitseinkommens kann dazu führen, dass sie bestimmte, einkommensabhängige staatliche Transferleistungen verlieren. In der Konsequenz kann der Verlust dieser Hilfen den finanziellen Vorteil aus der Gehaltserhöhung vollständig aufzehren oder sogar überkompensieren. Für diese Haushalte bedeutet ein zusätzlich verdienter Euro netto mitunter einen Verlust von mehr als einem Euro an verfügbarem Einkommen – ein klarer Fehlanreiz im System, wie der Bericht konstatiert.

Quelle: OECD-Bericht “Taxing Wages 2024”.

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