Spanien ruft Klimanotstand aus

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Oliva

Spanien ruft Klimanotstand aus

von Redaktion2 Min. Lesezeit

Politischer Schulterschluss in Oliva

Rund zwei Jahre nach der tödlichen Flutkatastrophe im Oktober 2024 ringt die Region Valencia erneut mit den Folgen eines extremen Unwetters. Diesmal trägt das Tief den Namen „Adam“. Bei einem Besuch im besonders betroffenen Ort Oliva hat Regierungschef Pedro Sánchez nun weitreichende Hilfen angekündigt und zugleich eine grundsätzliche Debatte über den Umgang mit der Klimakrise angestoßen.

Wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtet, will das Kabinett in Madrid die betroffenen Gemeinden offiziell zu Katastrophengebieten erklären. Dadurch sollen finanzielle Mittel für den Wiederaufbau schneller fließen und bürokratische Hürden bei der Vergabe von Aufträgen gesenkt werden. „Das Ziel ist, dass die Normalität so schnell wie möglich zurückkehrt“, sagte Sánchez in einer kurzen Ansprache vor dem Einsatzleitungszentrum in Oliva.

Appell für einen Staatsvertrag

Der Ministerpräsident nutzte den Termin jedoch für eine weitergehende Botschaft: Angesichts der sich häufenden Extremwetterereignisse sei ein „großer Pakt des Landes“ gegen die Klimanotlage dringend geboten. Ein solches Abkommen, das alle Verwaltungsebenen, Parteien und die Zivilgesellschaft einschließen müsse, sei schlicht „gesunder Menschenverstand“, so Sánchez. Es gehe darum, die Zusammenarbeit nicht erst im Katastrophenfall zu organisieren, sondern präventiv zu stärken – sowohl bei der Vorsorge als auch beim Wiederaufbau.

Der Sozialist betonte, die jüngsten Ereignisse der vergangenen 48 Stunden hätten gezeigt, dass gemeinsames Handeln effektiv sei. Die Klimakrise wirke wie „exponentieller Treibstoff“ für Wetterextreme, weshalb die Klimavariable künftig in allen Planungen berücksichtigt werden müsse – von der Notfallhilfe bis zur Infrastrukturplanung. Der Staat werde sich beim Wiederaufbau voll engagieren, versprach er.

Dank und Kritik an der Basis

Vor seiner Rede hatte sich Sánchez rund 45 Minuten Zeit genommen, um mit Bürgermeistern der betroffenen Orte und Einsatzleitern zu beraten. Besonders beeindruckt zeigte er sich vom Engagement der Lokalpolitiker, die in der Nacht zuvor mit Megafonen ihre Nachbarn gewarnt hatten. Deren Einsatz beweise, dass öffentlicher Dienst über parteipolitische Gräben hinweg funktioniere.

Die Stimmung vor Ort war jedoch nicht durchgehend freundlich. Während seiner Ankunft skandierten rund 30 Anwohner hinter Absperrungen Beleidigungen wie „Hund“ oder „ins Gefängnis“. Sympathisanten versuchten, die Rufe mit lautem Applaus zu übertönen – ein Sinnbild für die gesellschaftliche Zerrissenheit, die das Thema Klimapolitik in Spanien zunehmend begleitet.

Regionalchef fordert mehr Vorsorge

Auch der valencianische Regionspräsident Juanfran Pérez Llorca, der gemeinsam mit mehreren Ministern an dem Treffen teilnahm, meldete sich zu Wort. Er lobte die Koordination der Einsatzkräfte, die nach eigener Aussage über tausend Menschen retten konnten. Gleichzeitig mahnte er, aus den Erfahrungen zu lernen: Die aktuellen Überschwemmungen seien anders gewesen als die Katastrophe von 2024, bei der 233 Menschen starben. Llorca plädierte für einen konsensualen Plan zur Verbesserung der Wasserinfrastruktur in der gesamten Region – und nicht nur in den akut betroffenen Gebieten. Auch eine häufigere Reinigung von Flussbetten und Schluchten müsse Teil einer langfristigen Strategie sein.

Die Bewohner, die ihr Zuhause verloren haben, würden nicht allein gelassen, versicherte der Konservative. „In dieser Situation müssen die Interessen der Menschen über jedem politischen Interesse stehen.“


Quelle: europapress.es

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