Spanien als Zentrum der KI-Ethik

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Barcelona

Spanien als Zentrum der KI-Ethik

von Clara Weber

Minister López sieht Spanien als "Epizentrum" der KI-Ethik

Die Regulierung der Künstlichen Intelligenz ist eine der großen geopolitischen Schlachten unserer Zeit, sagt Óscar López, spanischer Minister für digitale Transformation und öffentliche Verwaltung. In einem Interview mit der Zeitung La Vanguardia, das von Europa Press veröffentlicht wurde, positioniert er sein Land klar: "Spanien ist heute das Epizentrum der ethischen Revolution der KI – und damit auch der sozialen Medien."

Als Beleg führt er das Internationale Forum für digitale Rechte an, das diese Woche in der historischen Llotja de Mar in Barcelona stattfindet. Dort treffen sich laut López "die besten Experten für eine humane, vertrauenswürdige Perspektive", die die globalen Machtverhältnisse verstehen.

"Es geht um Souveränität – wer bestimmt die Regeln?"

Für López ist die Kernfrage der KI-Regulierung eine Frage der Souveränität. "Es geht darum, wer das Kommando hat und welche Regeln erstellt werden", so der Minister. Er kritisiert die Ansicht großer Tech-Unternehmen, dass die Technologie selbst regieren sollte. Dies, sagt er, sei falsch. Die Demokratien müssen handeln, um die Entscheidungen nicht der Technologie zu überlassen. "Das sind Fragen, die demokratisch entschieden werden müssen, nicht in fünf Büros in Palo Alto."

Spanien habe bereits konkrete Maßnahmen umgesetzt: ein Observatorium für digitale Rechte, ein KI-Gesetz und eine Charta für digitale Rechte. Außerhalb der Regulierung fördert das Land die Chip- und Halbleiterproduktion sowie innovative Unternehmen. "Das Wesentliche ist, dass wir eine holistische Vision haben", erklärt López.

Verteidigung, Desinformation und die Grenzen des Algorithmus

Ein besonders sensibles Feld ist die Verbindung von Verteidigung und KI. "Die Verteidigung hängt von der KI ab", stellt López klar und unterstreicht die Notwendigkeit menschlicher Kontrolle. Er sieht auch eine direkte Verbindung zur politischen Desinformation. Die "schlechteste Nachricht" für den europäischen Zusammenhalt sei der Brexit gewesen, der mit einer entsprechenden Desinformationskampagne verbunden war.

Deshalb brauche es Instrumente zur Verifikation und Korrektur, um die "Falschinformationen des Algorithmus" zu bekämpfen. López fordert Transparenz und Rechenschaftspflicht: "Es muss einen Regulator geben und es muss jemanden geben, der überprüft, dass die Regeln eingehalten werden." Die Plattformen-Betreiber müssen für ihre Algorithmen verantwortlich sein.

Warnung: KI hat "mehr Folgen als jede andere disruptive Technologie"

Die Minister warnt eindringlich: Unter allen disruptiven Technologien der Geschichte habe "keine so viele Folgen" wie die Künstliche Intelligenz. Ihre Erfinder und Hauptnutzer stellen die Souveränität der Staaten in Frage.

Es sei nicht akzeptabel, dass das einzige Ziel die Profitmaximierung eines Unternehmen sei – "auch wenn das auf Kosten der finanziellen Sicherheit des Planeten geht, auch wenn es auf Kosten des Suizids eines 15-jährigen Kindes geht, auch wenn es auf Kosten der kommerziellen Nutzung seiner Daten ohne dessen Zustimmung geht."

Die Demokratien der EU, so sein abschließender Punkt, haben in dieser sehr komplexen und schweren Auseinandersetzung noch viel Arbeit vor sich.


Quelle: europapress.es