Schwarzer Juni in Spanien

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Spanien

Schwarzer Juni in Spanien

von Clara Weber

Rekordzahl an Todesfällen

Der Sommer hat gerade erst begonnen, doch die Bilanz ist bereits erschreckend: Im Juni dieses Jahres sind in Spanien 86 Menschen ertrunken – so viele wie noch nie in einem Juni seit Beginn der Datenerfassung. Wie der aktuelle Bericht der Real Federación Española de Salvamento y Socorrismo (RFESS) zeigt, wurden allein in diesem Monat 45 Todesfälle an Stränden und 18 in Schwimmbädern registriert. Die Zahlen übertreffen die bereits hohen Werte der Vorjahre deutlich: 2025 waren es 73 Tote, 2024 insgesamt 62.

Hitzewellen als Treiber

Nuria Rodríguez, Vizepräsidentin der RFESS, sieht einen direkten Zusammenhang mit den immer früher einsetzenden Hitzewellen. „Die Menschen suchen wegen der hohen Temperaturen viel früher im Jahr Abkühlung in Gewässern“, erklärt sie. Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung in privaten und gemeinschaftlichen Pools. Hier starben im Juni 18 Menschen – ebenfalls ein Negativrekord. Rodríguez betont, dass neben den klimatischen Bedingungen vor allem fahrlässiges Verhalten eine Rolle spiele: Viele Badegäste ignorierten Warnhinweise und die Anweisungen von Rettungsschwimmern.

Besonders gefährdet: Kinder und ältere Männer

Die Opferzahlen bei Minderjährigen bereiten den Experten große Sorgen. Von den 16 toten Kindern im Juni starben neun in Pools, fünf am Meer. Die Altersgruppe der Zwei- bis Vierjährigen ist in Schwimmbädern am stärksten betroffen. „Viele Eltern überschätzen die Sicherheit von Schwimmflügeln und unterschätzen die Notwendigkeit ständiger Aufsicht“, kritisiert Rodríguez.

Das häufigste Opferprofil bleibt jedoch der Mann über 55 Jahre. 165 der insgesamt 211 Ertrunkenen seit Jahresbeginn sind männlich. Die meisten Unfälle ereignen sich zwischen 12 und 15 Uhr. „Wir kümmern uns zu wenig um unsere älteren Angehörigen am Wasser“, so Rodríguez. Oft spielten gesundheitliche Probleme oder der Temperaturschock eine fatale Rolle. Die RFESS appelliert eindringlich an alle, besonders in der Hauptsaison Juli und August wachsam zu sein – vor allem an unbewachten Badestellen.


Quelle: 20minutos.es