Schwarz gewandet, ungebrochen: The Cure verzaubern Barcelona

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Barcelona

Schwarz gewandet, ungebrochen: The Cure verzaubern Barcelona

von Sabine Keller

Die Zeitlosigkeit des Weltschmerzes

Es ist ein Phänomen, das der schnelllebigen Popkultur Hohn spricht: Während andere Bands kommen und gehen, steht Robert Smith, unverändert in seiner schwarzen Kluft und mit zerzaustem Haar, seit über vier Jahrzehnten auf der Bühne und verkörpert eine melancholische Konstante. Ihr Auftritt am Freitag beim Primavera Sound in Barcelona war mehr als nur ein Festival-Höhepunkt; es war eine Demonstration artistischer Langlebigkeit und emotionaler Tiefe, wie sie heute selten zu erleben ist. Vor einer riesigen, generationenübergreifenden Menge begannen die Briten, wie die Nachrichtenagentur Europa Press berichtete, ihre Sommertournee – nicht mit einem lauten Knall, sondern mit der bedächtigen „Alone“ aus ihrem jüngsten Werk.

Ein Archiv voller Schätze

Was folgte, war eine meisterhaft kuratierte Zeitreise durch ein einzigartiges Œuvre. Die Band, verstärkt auf sechs Musiker, servierte ihren charakteristischen „Slow-Cooker“-Sound: epische, sich langsam entfaltende Stücke wie „Pictures of You“ oder „A Forest“ wurden nicht gekürzt, sondern in vollen sieben bzw. sechs Minuten zelebriert – und vom Publikum begeistert aufgenommen. Die Setlist war eine Fundgrube für Kenner, mit selten gespielten B-Seiten wie „2 Late“ (live erstmals wieder seit 2019) oder dem verspielten „Mint Car“, das seit 2016 im Archiv schlummerte. Dieses selbstbewusste Durchschreiten aller Schaffensphasen, von den düsteren Post-Punk-Wurzeln („Play for Today“, 1980) über die popmelancholischen Höhepunkte („Lovesong“, 1989; „High“, 1992) bis heute, bewies eine beneidenswerte künstlerische Souveränität.

Kontraste und kabbelige Bässe

Dass The Cure nicht nur in elegischen Arpeggios schwelgen, stellten sie mit dichten, fast metallisch anmutenden Riffs unter Beweis, etwa bei „Burn“. Smith eröffnete das Stück überraschend mit einer Doppelflöte – eine skurrile Geste inmitten einer ansonsten klassischen Bühnenshow mit Farblicht und Nebel. Die Band zeigte ihre ganze dynamische Bandbreite: Die funky-besessene „Hot Hot Hot!!!“ und der tanzbare „The Walk“ kontrastierten wirkungsvoll mit der herbstlichen Stimmung von „The Last Day of Summer“. Durch alles hindurch trug der ikonische, kaskadierende Basslauf von Simon Gallup, während Smiths Stimme, bemerkenswert intakt, den emotionalen Kitt zwischen den Epochen bildete.

Ein versöhnlicher Abschied

Nach über zweieinhalb Stunden und einem verspäteten Zugabe-Block, der mit energetischen Klassikern wie „Let’s Go to Bed“ und „Why Can’t I Be You?“ aufwartete, fand der Abend seinen perfekten, weil widersprüchlichen Abschluss: Mit „Boys Don’t Cry“, einem frühen Hit über verdrängte Gefühle, ließen sie die Menge jubeln. Die bitter-süße Ironie dieser Wahl ist typisch für The Cure. Smith, der sich auf Spanisch nur mit einem „¡Gracias!“ und einem vom Zettel gelesenen Bedauern, die Sprache nicht zu beherrschen, wagte, verließ schüchtern errötend die Bühne. Während anderswo auf dem Festivalgelände Acts wie Skrillex oder PinkPantheress die Nacht zum Beben brachten, hatte Robert Smiths Crew etwas viel Selteneres geschafft: Sie hatte Tausende in eine traurig-schöne, zeitlose Welt entführt und bewiesen, dass wahre Emotion, kunstvoll verpackt, der mächtigste Sound von allen ist.

Quellen: Konzertbericht und Setlist-Informationen basieren auf dem Originalartikel von Europa Press vom 6. Juni 2024.


Quelle: europapress.es

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