Richter vernimmt 25 Verdächtige im SEPI-Skandal

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Spanien

Richter vernimmt 25 Verdächtige im SEPI-Skandal

von Clara Weber

Der Korruptionsfall um die ehemalige PSOE-Aktivistin Leire Díez weitet sich dramatisch aus. Richter Santiago Pedraz von der Audiencia Nacional hat nun die Präsidentin der spanischen Staatsholding SEPI, Belén Gualda, sowie 24 weitere Personen als Beschuldigte vorgeladen. Wie die spanische Zeitung 20 Minutos berichtet, geht es um mutmaßliche Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe öffentlicher Aufträge. Die Staatsanwaltschaft sieht „Anzeichen von Straftaten“ – unter anderem wegen Einflussnahme, Untreue, Vorteilsnahme, bandenmäßiger Kriminalität und Insiderhandel.

Ermittlungen gegen die SEPI-Spitze

Neben Gualda stehen hochrangige Manager auf der Liste der Beschuldigten: der frühere Enusa-Präsident José Vicente Berlanga, der ehemalige Tubos-Reunidos-Chef Francisco Irazusta sowie der aktuelle CEO des Stahlkonzerns, Carlos López de las Heras. Auch der Ex-Präsident von Mercasa, José Ramón Sempere Vera, und der Gründer des Energieunternehmens Forestalia, Fernando Samper, sind betroffen. Insgesamt ermittelt Pedraz gegen 25 Personen.

Das Gericht stützt sich auf eine Anklageschrift der Anti-Korruptionsbehörde. Die Ermittler hatten im Dezember 2025 Leire Díez, den früheren SEPI-Präsidenten Vicente Fernández und den Geschäftsmann Antxon Alonso festgenommen. Letzterer ist ein enger Vertrauter des ehemaligen PSOE-Organisationssekretärs Santos Cerdán.

Der Fall Tubos Reunidos

Der Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf dem Rettungspaket für die angeschlagene baskische Stahlfirma Tubos Reunidos. Das Unternehmen erhielt 112,8 Millionen Euro aus dem staatlichen Fonds FASEE, der während der Pandemie zur Stützung strategischer Unternehmen eingerichtet wurde. Trotz der Hilfe ist Tubos Reunidos inzwischen in der Insolvenz und seit März von der Börse genommen.

Laut den Ermittlern soll Gualda dem damaligen CEO Irazusta „ihr Engagement“ für die Rettung zugesichert haben. Ein SEPI-Direktor informierte Vicente Fernández darüber, dass die Präsidentin die Operation „durchziehen“ wolle. Später unterzeichnete Gualda persönlich die Vorlage für den FASEE-Verwaltungsrat.

Die Rolle der Chatgruppe „Hirurok“

Die Ermittler haben einen WhatsApp-Chat namens „Hirurok“ ins Visier genommen, in dem Díez, Fernández und Alonso angeblich gemeinsam agierten. Über diese Gruppe soll Fernández ein Dokument mit dem Zeitplan und den positiven Prüfvermerken für das Tubos-Reunidos-Rettungspaket geteilt haben. Die Staatsanwaltschaft folgert, dass die Gruppe „Maßnahmen zur Gewährung der Hilfe“ ergriffen habe.

Zudem gibt es Hinweise auf politische Einflussnahme: Fernández soll die „Perspektive der baskischen Nationalpartei PNV“ in die Verhandlungen eingebracht haben. Die Guardia Civil bestätigte ein Treffen zwischen Fernández und dem damaligen PNV-Chef Andoni Ortúzar, bei dem es um den staatlichen Rettungsschirm ging.

Neben Tubos Reunidos untersuchen die Behörden auch Unregelmäßigkeiten bei vier weiteren Operationen – unter anderem mit den öffentlichen Unternehmen Mercasa, Enusa, dem Gewerbepark von Asturien und Forestalia. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren, weitere Vernehmungen stehen bevor.


Quelle: 20minutos.es