
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Reflektierende Westen statt Bürgersteige
Ein Spaziergang mit Lebensgefahr
Stellen Sie sich vor, Sie müssten für den täglichen Weg zur Schule, zum Bäcker oder zur Arztpraxis eine mehrspurige Straße ohne Gehweg entlanglaufen. Was nach einem Albtraum klingt, ist für die Bewohner des Viertels Establiments in Palma Alltag. Der zentrale Verkehrsweg, der die Ortsteile verbindet, bietet keinerlei Schutz für Fußgänger. Am vergangenen Samstag machten rund fünfzig Anwohner mit einem Demonstrationsmarsch auf diese lebensgefährliche Situation aufmerksam.
Begleitet von lokaler und nationaler Polizei sowie dem rhythmischen Klang von Flabiol und Trommel zogen sie drei Kilometer über die als "alte Straße von Esporles" bekannte Strecke. Auffällig in ihren neon-gelben Warnwesten trugen sie Botschaften wie "Wir machen Schritte für Establiments" und skandierten "Wir wollen Gehwege, jetzt!".
Eine Straße, die keine Straße sein will
Das Kernproblem ist rechtlicher Natur, wie Pedro Vaquer, einer der Organisatoren, erklärt. Die Straße untersteht dem Consell (Inselrat) und wird als Landstraße klassifiziert. Für die Anwohner ist sie jedoch die Hauptstraße ihres Viertels. Diese Unterscheidung hat schwerwiegende Folgen: "Menschen, die direkt an der Straße wohnen, müssen mit Warnweste das Haus verlassen. Bei einem Unfall bekämen sie keine Versicherungsleistung, weil es sich um eine Straße und nicht um eine städtische Fahrbahn handelt", so Vaquer gegenüber Diario de Mallorca.
Die Gemeinde Palma scheue die Übernahme der Verantwortung, da damit auch die Kosten für die Kanalisation verbunden wären. "Es ist eine Geldfrage", fasst Vaquer zusammen. Ein früheres Projekt der Stadtverwaltung unter Ex-Bürgermeister José Hila, das Enteignungen vorsah, wurde von betroffenen Grundstückseigentümern abgelehnt.
Gefahr für alle – und kein Ausweg
Die fehlende Infrastruktur trifft besonders schutzbedürftige Gruppen. "Personen mit eingeschränkter Mobilität, Familien mit Kindern, Kinderwagen...", zählt Cati Alorda, Vorsitzende der Nachbarschaftsvereinigung, auf. Es gebe keine sicheren Alternativwege, da einige öffentliche Feldwege von Grundstücksbesitzern gesperrt worden seien.
Aina Autonell erlebt die Misere täglich: Sie kann ihre Töchter nicht zu Fuß zur Schule begleiten. "Abgesehen von der Sicherheit, die fundamental ist, wäre es auch wichtig für den Zusammenhalt im Viertel", sagt sie. Die absurde Konsequenz: Für kurze Wege, die zu Fuß machbar wären, wird das Auto genutzt – was das Verkehrsaufkommen und damit die Gefahr weiter erhöht.
Die Situation spitzt sich an gefährlichen Abschnitten wie den "Curvas de Son Berga" zu, wo Sichtbehinderungen das Risiko maximieren. Selbst an einer Bushaltestelle der Linie 16 müssen Fahrgäste laut Protestierenden zwischen einer Mauer und der Fahrbahn warten – ein weiterer "schwarzer Punkt".
Der Protest bleibt – die Lösung lässt auf sich warten
Mit der Verlesung eines Manifests an einem historischen Kreuz endete der Marsch. Die Forderung darin ist eindeutig und von Erschöpfung geprägt: Ein Mindestmaß an Sicherheit für Fußgänger, notfalls auch nur ein einfacher Gehweg auf einer Straßenseite. Während die Worte verklangen, öffnete die Polizei die Straße wieder für den Verkehr. Das Motorengeräusch der vorbeifahrenden Autos unterstrich die Dringlichkeit der Botschaft: Das Recht, sicher vor der eigenen Haustür spazieren zu gehen, sollte kein Privileg sein.