
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Puig trotzt Justiz und feiert Rückkehr
Neun Jahre nach dem 1-O: Puig zeigt sich kämpferisch
Mit sichtlicher Emotion und deutlichen Worten hat sich Lluís Puig am Mittwochabend in seiner Heimatstadt Terrassa zurückgemeldet. Erstmals seit neun Jahren besuchte der frühere Kulturminister der Generalitat wieder seine Heimat — und nutzte die Gelegenheit für eine klare Ansage. „Wir bleiben standhaft, wir bleiben widerständig und wir wollen weiterhin die Freiheit des katalanischen Volkes", rief Puig den versammelten Anhängern zu. Es war der erste öffentliche Auftritt des Junts-Politikers auf katalanischem Boden seit dem umstrittenen Unabhängigkeitsreferendum vom 1. Oktober 2017.
Der Anlass war bewusst gewählt: Puig nahm an den „Cants per la llibertat" teil, einer Protestveranstaltung, die seit November 2017 täglich vor dem Rathaus von Terrassa stattfindet. Auf der Website der Organisatoren heißt es, man wolle damit ein Zeichen gegen die „Repression" setzen. Für Puig war es ein Moment der Rückbesinnung, aber auch der politischen Demonstration.
Unterstützung von Parteispitze und Weggefährten
Der Abgeordnete im katalanischen Parlament war nicht allein gekommen. An seiner Seite standen hochrangige Vertreter seiner Partei Junts, darunter Generalsekretär Jordi Turull, die Vize-Präsidenten Miriam Nogueras, Antoni Castellà, Mònica Sales und Josep Rius sowie der Parlamentssprecher Salvador Vergés. Die Anwesenheit der komplett angetretenen Parteispitze unterstrich die Bedeutung des Moments.
In seiner Ansprache dankte Puig sichtlich bewegt seinen Mitbürgern für die jahrelange Unterstützung. Auch seinen Parteikollegen zollte er Respekt — sie hätten ihn „nie" allein gelassen. Doch die Dankesworte wichen schnell scharfer Kritik. Die spanische Justiz und der Staat hätten versucht, „Politik zu machen, ohne sich zur Wahl zu stellen", so der Vorwurf des 63-Jährigen. Das Justizwesen habe neun Jahre gebraucht, um das zu tun, was schon am 27. Oktober 2017 hätte geschehen müssen, fügte er mit Blick auf die damaligen Ereignisse hinzu.
Feierlicher Rahmen mit politischer Symbolik
Die Veranstaltung in Terrassa trug deutlich folkloristische und politische Züge. Die Anwesenden stimmten die Lieder „Indignats" und die katalanische Hymne „Els Segadors" an. Dazu gab es einen traditionellen Sardana-Tanz, eine Hommage an Puig und die anderen Anführer der Unabhängigkeitsbewegung rund um das Referendum von 2017.
Neben der Parteispitze fanden sich weitere bekannte Gesichter aus Politik und Justiz ein. Der frühere Innenminister Joaquim Forn ließ es sich ebenso wenig nehmen wie der Chef der Junts-Fraktion im Stadtrat von Barcelona, Jordi Martí. Auch die Abgeordnete im spanischen Unterhaus, Pilar Calvo, und der Anwalt Jaume Alonso-Cuevillas, der zahlreiche Unabhängigkeitsbefürworter juristisch vertreten hat, waren vor Ort.
Ein Empfang steht noch aus
Die Rückkehr von Puig ist ein weiteres Kapitel in der Aufarbeitung der Ereignisse um das Unabhängigkeitsreferendum. Erst kürzlich hatte der Ermittlungsrichter Pablo Llarena die Haftbefehle gegen Puig, den ehemaligen Regionalpräsidenten Carles Puigdemont und den früheren Minister und kürzlich zum EU-Abgeordneten gewählten Toni Comín endgültig aufgehoben.
Damit ist der Weg frei für Puigs politische Rückkehr. Schon am Donnerstag soll ihn der Präsident des katalanischen Parlaments, Josep Rull, offiziell in der Kammer begrüßen und ihm das Wort erteilen. Der Auftritt in Terrassa war also nur der Auftakt — die eigentliche politische Bühne wartet bereits. Wie die spanische Zeitung El País berichtet, sorgt die Rückkehr der Exilpolitiker für neue Debatten über die juristische Aufarbeitung der Unabhängigkeitsbewegung, die das Land bis heute beschäftigt.
Quelle: europapress.es