
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Orgullo-Party in Palma abgesagt: Streit um Bedingungen und Zeitpunkt
Die traditionelle große Feier zum Christopher Street Day (Orgullo) in Palma de Mallorca findet dieses Jahr nicht statt. Der für die Organisation zuständige Verein Ben Amics hat seine Beteiligung an der "Verbena", dem Hauptfest, zurückgezogen. Die Stadtverwaltung (Cort) zeigt sich enttäuscht und wirft dem Verein vor, kein echtes Interesse an einer Einigung gehabt zu haben.
Gespräche scheitern an neuen Forderungen
Wie die Stadtverwaltung in einer Mitteilung darlegt, habe es nach der ersten Androhung einer Absage durch Ben Amics intensive Gespräche gegeben. Die für Gleichstellung zuständige Stadträtin, Lourdes Roca, habe persönlich das Engagement der Stadt für das Fest bekräftigt und einen Arbeitsplan vereinbart. Die Verwaltung sah ausreichend Zeit, um alle nötigen administrativen und organisatorischen Schritte bis zum Festtermin zu erledigen, einschließlich der Bestätigung der Künstler bis Anfang Juni.
Dann, so die Darstellung des Rathauses, habe Ben Amics jedoch neue Forderungen gestellt, die über die reine Veranstaltungsorganisation hinausgingen. Dazu gehörten das Hissen der Regenbogenflagge am Rathaus für drei Wochen im Voraus, ein offizielles Foto mit dem Bürgermeister bei der Flaggenhissung sowie die Garantie für die Übernahme von Workshops des Vereins im städtischen Bildungsprogramm "Palma Educa".
Rathaus bietet Alternativen an
Die Stadt erklärte, auf diese neuen Bedingungen erneut mit Kompromissbereitschaft reagiert zu haben. Sie bot unter anderem an, das Wahrzeichen Castell de Bellver in Regenbogenfarben zu illuminieren, werbewirksame Plakatflächen für die Veranstaltung bereitzustellen und das offizielle Foto mit Bürgermeister Jaime Martínez für die Bewerbung zu nutzen. Bezüglich der Flagge verwies die Stadt auf ihren generellen "institutionellen Grundsatz", dass Gedenkflaggen nur am eigentlichen Tag gehisst werden – eine Regel, die für alle Gruppen gleichermaßen gelte. Dennoch bot man als Entgegenkommen an, die Flagge bereits in der Nacht zum 28. Juni zu hissen. Die Vertragsangelegenheiten für "Palma Educa" würden wie geplant im September geklärt.
Diese Vorschläge seien von Ben Amics abgelehnt worden, berichtet die Stadt. Der Verein habe eine "Alles-oder-nichts"-Haltung eingenommen: Entweder würden alle seine Bedingungen vollständig akzeptiert, oder er ziehe sich zurück.
Vorwurf der politischen Instrumentalisierung
Für die Stadtverwaltung ist die kompromisslose Haltung nicht nachvollziehbar, besonders vor dem Hintergrund der langjährigen Zusammenarbeit. Auffällig sei, dass die Absage ausgerechnet vor dem letzten Pride vor den nächsten Kommunalwahlen erfolge. Die administrativen Fristen seien dabei nicht anders als in den Vorjahren oder bei anderen Großveranstaltungen wie der "Revetla de Sant Sebastià".
Das Rathaus kritisiert, dass keine Organisation die Handlungen einer Institution durch "Druck oder Konfrontation" politisch konditionieren dürfe, insbesondere wenn von städtischer Seite Gespräche geführt, Alternativen angeboten und zusätzliche Unterstützungsmaßnahmen zugesagt worden seien. Zuvor hatte die Stadt bereits bedauert, dass Ben Amics seine Entscheidung zuerst an die Medien und nicht offiziell an die Verwaltung kommuniziert habe.
Die Absage der zentralen Pride-Party wirft Fragen über das Verhältnis zwischen der LGBTQ+-Community und der Stadtpolitik in Palma auf und hinterlässt eine Lücke im Kalender der bevorstehenden Feierlichkeiten.