
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Opositionsskandal gefährdet 600 neue Stellen
Die für Anfang August geplante Einstellung von rund 600 neuen Servicekräften bei der spanischen Staatsbahn Renfe ist unsicher. Grund ist die Blockade eines Auswahlverfahrens für sogenannte Handelsbetreiber, nachdem Kandidaten schwere Unregelmäßigkeiten bei einem Test angezeigt hatten. Wie die spanische Tageszeitung 20 Minutos berichtet, bleibt nun offen, wann die staatliche Rechtsabteilung ihr Gutachten zur weiteren Vorgehensweise vorlegen wird.
Die neuen Mitarbeiter sollten eigentlich ab der ersten Augustwoche in den Bahnhöfen eingesetzt werden, um Fahrkarten zu verkaufen, Passagiere zu betreuen, Zugänge zu kontrollieren und bei Störungen zu helfen. Diese Funktionen gelten als zentral für den Betrieb, insbesondere in einem der verkehrsreichsten Reisemonate. Ohne die Neuzugänge bleibt die Besetzung der Stellen vorerst auf dem bestehenden Niveau.
Akademie und externe Firma im Fokus
Die Krise begann in der Vorwoche, als mehrere Bewerber Beschwerde bei Renfe einlegten. Sie bezogen sich auf einen psychotechnischen Test, der am 6. Juni im Rahmen der Präsenzphase der Prüfung stattfand. Ihr Vorwurf: Der Test sei in weiten Teilen identisch mit Material gewesen, das zuvor von der Akademie "Eticop" an ihre Kursteilnehmer verteilt worden war. Die Gewerkschaft Alferro präzisierte, dass "ein wesentlicher Teil der psychotechnischen Prüfung zum Leseverständnis praktisch wörtlich mit dem Material übereinstimmte, das von der Akademie zuvor verteilt worden war". Eticop wirbt auf seiner Webseite damit, die "Akademie für Psychotechnik schlechthin" zu sein, spezialisiert auf Renfe sowie auf Polizei- und Sicherheitskräfte.
Renfe forderte daraufhin die Firma "People Expert" zur Stellungnahme auf. Dieses Unternehmen war mit der Organisation und Durchführung des gesamten Auswahlprozesses beauftragt worden, einschließlich der Erstellung und Korrektur des beanstandeten Tests. People Expert hatte die Prüfungen bereits mehrfach für Renfe durchgeführt, unter anderem bei der jüngsten Einstellung von 550 Lokführern und 360 Werkstattmitarbeitern. Beide Unternehmen, sowohl die Akademie als auch der externe Dienstleister, lehnten eine Stellungnahme gegenüber der Presse ab.
Uneinheitliche Wahrnehmung der Prüfung
Die Wahrnehmung des Tests unter den Kandidaten scheint uneinheitlich gewesen zu sein. Während einige Bewerber die behauptete Übereinstimmung mit dem Lernmaterial bemängelten, berichtete eine andere Teilnehmerin, der Test sei für sie "sehr schwierig" gewesen. Ein Versuch, die Prüfung direkt anzufechten, verlief demnach im Sande. People Expert versicherte Renfe eigenen Angaben zufolge, dass das Urheberrecht an den Tests bei ihnen liege.
Keine schnelle Lösung in Sicht
Renfe schaltete dennoch ihre eigenen Rechtsabteilungen ein. Aufgrund der "Komplexität" des Falls verwiesen diese die Angelegenheit an das Prüfungsgremium zurück, in dem Renfe und die Eisenbahngewerkschaften vertreten sind. Dieses Gremium wiederum rief die Abgeordnetenkammer des Staates (Abogacía del Estado) an, um zu klären, wie das Verfahren rechtssicher fortgesetzt werden kann. Wann diese Entscheidung fällt, ist nicht absehbar. Die Gewerkschaft CCOO forderte Renfe auf, aus dem Vorfall zu lernen und künftig die notwendigen Garantien für die Bewerber zu schaffen. Die Eisenbahnsektion der CGT geht noch weiter und bezeichnet Renfe als "letztverantwortlich", da das Unternehmen "derjenige ist, der ausschreibt und der garantieren muss, dass der gesamte Prozess mit Sicherheit, Rückverfolgbarkeit und ausreichender Kontrolle abläuft".
Solange kein Gutachten vorliegt, ruht das Verfahren. Da nach den beanstandeten Tests noch persönliche Vorstellungsgespräche und eine Schulungsphase für die erfolgreichen Kandidaten anstehen, ist ein Dienstantritt der 600 neuen Kräfte im August praktisch ausgeschlossen.
Quelle: 20minutos.es