
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Navantia lässt siebte Korvette für Saudis stricken
Ein Bekenntnis zur Waffenpartnerschaft
Während in Europa über Rüstungsexporte in den Nahen Osten gestritten wird, vollzieht Spanien längst Fakten. In San Fernando (Cádiz) ist am Sonntag die mittlerweile siebte Korvette für die Marine des Königreichs Saudi-Arabien vom Stapel gelaufen. Getauft auf den Namen „Neom“ – eine Referenz an das Prestigeprojekt der saudischen Vision 2030 – soll das Schiff Teil einer Flotte werden, die geopolitisch weit mehr bedeutet als bloße Kriegsschiff-Folklore. Dies berichtet Europa Press.
Ein Auftrag mit Signalwirkung
Es ist kein Zufall, dass ausgerechnet der saudische Vizeadmiral Mohammed Bin Abdulrahman Al-Ghuraybi persönlich nach Andalusien reiste, um gemeinsam mit Navantia-Chef Ricardo Domínguez den Stapellauf zu zelebrieren. Man zelebriert hier nicht nur Industriepolitik, sondern eine strategische Achse. Der saudische Admiral sprach gar von einem „Symbol“ für das, was „zwei Königreiche gemeinsam erschaffen können“. Das mag wie diplomatische Floskel klingen, doch die Zahlen sprechen eine deutlichere Sprache: Es ist bereits die zweite Einheit jenes Vertrags, der 2025 unterzeichnet wurde – nachdem zwischen 2019 und 2024 bereits fünf Schwesterschiffe an Riad übergeben wurden.
Die Inszenierung der Zeremonie – inklusive Koranrezitation und Anwesenheit der saudischen Botschafterin, Prinzessin Haifa bint Abdulaziz Al Muqrin – zeigt, wie eng die Verflechtung mittlerweile ist. Kritische Stimmen, die angesichts der Menschenrechtslage in Saudi-Arabien und des Krieges im Jemen eine Abkehr von solchen Geschäften fordern, verhallen in Spanien offenbar ungehört. Stattdessen betont Domínguez die „Professionalität“ seiner Belegschaft und die „exzellente“ Zusammenarbeit mit dem Wüstenkönigreich.
Industrielle Abhängigkeit als Rechtfertigung
Selbstverständlich ist der wirtschaftliche Druck enorm: Navantia beschäftigt in den Werften der Bucht von Cádiz tausende Menschen, und Aufträge wie dieser sichern Arbeitsplätze über Jahre. Alberto Cervantes, Direktor des Geschäftsbereichs Korvetten, dankte ausdrücklich den Familien der Werftarbeiter, deren „Opfer“ Teil jedes Erfolgs seien. Dieser Hinweis ist bezeichnend: Er verklärt den Rüstungsexport zur reinen Schicksalsfrage der regionalen Wirtschaft.
Die technische Abwicklung des Deals ist bemerkenswert: Während die erste Einheit der neuen Serie in Spanien fertiggestellt wird, sollen die zweite und dritte – wie schon bei früheren Modellen – zur Endausrüstung und Integration des Kampfsystems nach Saudi-Arabien verschifft werden. Inklusive Logistikpaket, Ausbildung der Besatzungen und einer Evaluierungsphase der Marine in Rota, dem Stützpunkt der US-Marine in Südspanien. Die Kooperation mit Riad ist längst keine einfache Lieferbeziehung mehr, sondern eine milliardenschwere Systempartnerschaft.
Keine Debatte, nur Applaus
Wer erwartet hatte, dass der Stapellauf Anlass für eine grundsätzliche Debatte über die europäische Rüstungspolitik bietet, wird enttäuscht. Die Reden waren geprägt von gegenseitiger Bewunderung und dem Verweis auf „anstrengende Anforderungen“ – als ginge es um die Lieferung von Elektroautos. Die nächste Einheit ist bereits in Arbeit, die Werften in San Fernando und Puerto Real haben bis 2029 alle Hände voll zu tun. Derweil fragt kaum jemand laut, wofür eine derart modernisierte Flotte am Roten Meer tatsächlich benötigt wird.
Spanien hat sich damit endgültig als verlässlicher Partner Saudi-Arabiens positioniert – politisch wie industriell. Ob das langfristig klug ist, sei dahingestellt. Fakt ist: In Cádiz wird nicht nur Stahl zu Wasser gelassen, sondern auch eine geopolitische Botschaft. Und die ist alles andere als neutral.
Mit Material von Europa Press.
Quelle: europapress.es