
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Nachtbusse im Sommer – ein Anfang
Endlich reagiert die Politik – aber nur halbherzig
Man kann es drehen und wenden wie man will: Die Ankündigung der Stadt Vélez-Málaga, den Busverkehr im Sommer bis 2:30 Uhr nachts auszuweiten, ist ein längst überfälliger Schritt. Wer schon einmal in den Sommermonaten versucht hat, ohne Auto von einer Fiesta oder einem Konzert in Torre del Mar zurück nach Vélez-Málaga zu kommen, kennt das Problem: Taxis sind rar, teuer, und der letzte Bus fuhr bisher viel zu früh. Jetzt endlich gibt es eine Alternative – aber nur für zwei Monate.
Die Quote der guten Absichten
Wie die Lokalzeitung Axarquiaplus berichtet, startet der „Servicio Nocturno de Verano“ am 1. Juli und endet am 31. August. Vier Abfahrten pro Richtung: von Vélez-Málaga um 22:30, 23:30, 0:30 und 2:00 Uhr; von Torre del Mar um 23:00, 0:00, 1:00 und 2:30 Uhr. Klingt vernünftig, ist aber auch ein Eingeständnis: Normalerweise hält die Stadt den öffentlichen Nahverkehr nachts für verzichtbar. Das ist ein Armutszeugnis.
Gegenposition: „Zu teuer, zu wenig genutzt“
Kritiker werden einwenden, dass solche Nachtlinien nur in der Hochsaison wirtschaftlich zu betreiben seien. Die Nachfrage im Winter sei zu gering, die Kosten zu hoch. Doch das ist ein Zirkelschluss: Wer nie ein Angebot schafft, kann auch keine Nachfrage erwarten. In anderen europäischen Städten – selbst in kleineren – sind Nachtbusse ganzjährig Standard. Vélez-Málaga hinkt hier hinterher, und das Sommer-Experiment ist ein Beleg für jahrelange Vernachlässigung.
Was bleibt, ist die Frage nach dem Warum
Natürlich ist jede Ausweitung des ÖPNV zu begrüßen. Der grüne Stadtrat Celestino Rivas spricht von einer „komfortablen und sicheren Alternative“ für die Sommeraktivitäten. Richtig. Aber warum nur für die Sommeraktivitäten? Warum nicht für die Winterabende, wenn die Studenten aus der Uni kommen, wenn die Arbeiter der Spätschicht nach Hause müssen? Die Antwort ist so einfach wie ärgerlich: Weil der politische Wille fehlt, den öffentlichen Nahverkehr als grundlegende Daseinsvorsorge zu begreifen.
Fazit: Mehr Schein als Sein?
Der Schritt ist richtig, aber er ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Wer den Individualverkehr wirklich reduzieren will, muss ganzjährig zuverlässige Nachtbusse anbieten. Die Stadt Vélez-Málaga hat jetzt die Chance, aus dem Sommerprojekt eine dauerhafte Einrichtung zu machen. Ob sie diese Chance nutzt, wird sich zeigen. Bis dahin bleibt der Applaus verhalten – und die Forderung laut: Nachtbusse für alle, nicht nur für die Urlaubszeit.
Quelle: axarquiaplus.es