
Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Més sucht verzweifelt nach einer Retterin für Palma
Eine Partei in der Zwickmühle
Ein Jahr vor den nächsten Kommunalwahlen befindet sich die balearische Partei Més in einer kritischen Lage. Nach dem überraschenden Rücktritt der Amtsinhaberin und Sprecherin Neus Truyol im vergangenen November fehlt es der Formation an einer politisch erfahrenen und charismatischen Spitzenfigur für den Wahlkampf um das Rathaus von Palma. Wie aus mehreren internen Quellen hervorgeht, wird die Situation innerhalb der Partei als "dramatisch" beschrieben. Eine Analyse der personellen Optionen zeigt: Es gibt derzeit keinen anderen Aspiranten mit "einem Minimum an Tablas", der eine realistische Chance auf ein akzeptables Ergebnis währt.
Fina Santiago als einzige Hoffnung
Im Zentrum der internen Debatte steht der Name Fina Santiago. Die ehemalige Regionalministerin für Soziales gilt als Referenzfigur der linken Politik auf den Balearen, ist jedoch seit einiger Zeit sowohl beruflich als auch politisch im Ruhestand. Dennoch sehen zahlreiche Parteistimmen in ihrer Rückkehr an die Front die einzige Möglichkeit, eine komplette Niederlage abzuwenden. "Sie ist die Einzige, die ein minimal anständiges Ergebnis einfahren kann", zitiert der Diario de Mallorca einen Parteifunktionär. Ein weiterer Insider bringt die Hoffnung auf den Punkt: "Nur Fina kann die Möbel retten." Das Ziel ist klar: die drei Stadtratsmandate, die Més derzeit in den Cort hält, zu verteidigen. Prognosen sehen die konservative PP stabil und die rechtspopulistische Vox im Aufwind.
Um eine Kandidatur Santiagos attraktiver zu machen, werden innerhalb von Més gezielt Vergleiche mit anderen erfolgreichen Comebacks der spanischen Linken gezogen. Einige Parteimitglieder verweisen auf die Rückkehr der valencianischen Politikerin Mònica Oltra, andere auf "den Carmena-Effekt" – in Anlehnung an die hochangesehene ehemalige Madrider Bürgermeisterin Manuela Carmena von Podemos. Sollte die "Operation Santiago" erfolgreich sein, stünde den Wählern in Palma eine Wahl zwischen zwei ehemaligen Regionalministern der Pacto-Regierung gegenüber: Santiago für Més und Iago Negueruela für die Sozialisten.
Interne Widerstände und verworrene Personaldebatte
Doch die Lage ist komplexer. Zum einen zeigt sich Fina Santiago selbst wenig begeistert von der Idee, die Liste anzuführen. "Sie hat keine Lust, sie ist bereits Großmutter und im Ruhestand", erklärt ein langjähriger Parteigänger. Parteichef Lluís Apesteguia versuche seit Wochen persönlich und über Mittelsmänner, sie zu überzeugen. Santiago habe noch nicht zugesagt, aber alle hofften, dass sie nicht ablehne. Der Zeitdruck ist groß: Die Partei will am 13. Juni Vorwahlen abhalten, und die Kandidaturen müssen bis zum 15. Mai eingereicht sein.
Zum anderen gibt es weitere personelle Verwerfungen. Der Name Antoni Verger, einst verdrängt zugunsten des heutigen Bürgermeisters Antoni Noguera, wurde erwogen, doch Verger hat eine Kandidatur bereits abgelehnt. Auch Xisca Mir, die organisatorische Nachfolgerin von Neus Truyol, gilt nicht als wählbare Option für die Spitze des Wahlzettels. Zwischen ihr und Truyol habe es erhebliche interne Konflikte gegeben, die sogar zu Mirs vorübergehendem Parteiaustritt in Palma führten, berichtet eine mit den internen Vorgängen vertraute Quelle.
Dominoeffekt in der gesamten Parteispitze
Die Suche nach einem Kandidaten für Palma löst einen Dominoeffekt in der gesamten Parteihierarchie der Balearen aus. So wird der Bürgermeister von Manacor, Miquel Oliver, als Kandidat für den Inselrat (Consell de Mallorca) aufgestellt. Aus seinem Heimatort kommt jedoch der Vorwurf, er habe "den Kopf mehr in Palma als in Manacor". Oliver hätte angeblich lieber den dritten Listenplatz für das Regionalparlament (Parlament) übernommen, doch diesen reserviert Apesteguia für seinen rechten Mann, Ferran Rosa. Die Kontinuität an dieser Stelle soll, wie berichtet wird, verhindern, dass Oliver in der nächsten Legislaturperiode zum unruhigen Faktor für den Parteichef wird. Sein Aufstieg sei für 2030 vorgesehen, "wenn er die Ziele im Consell erfüllt".
Die Personalplanungen scheinen sich langsam zu konkretisieren. Als Nummer drei hinter Oliver auf der Liste für den Inselrat steht voraussichtlich Joan Mas, genannt "Collet", aus Algaida, ein enger Verbündeter Olivers.
Für Més ist die Zeit der Entscheidung gekommen. Die Partei steht vor der Herausforderung, mit einer geschlossenen und überzeugenden Personalstrategie aus der Defensive zu kommen – andernfalls droht der befürchtete Verlust an politischem Einfluss in der Hauptstadt Palma. Die Wahl der Spitzenkandidaten soll zudem nach dem Prinzip der geschlossenen Paare erfolgen, eine Taktik, die der Partei in der Vergangenheit mit dem erfolgreichen Duo Biel Barceló und Fina Santiago bereits gute Dienste erwiesen hat.