Málagas abgehängte Bahnhöfe

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Málaga

Málagas abgehängte Bahnhöfe

von Redaktion

Fortschritt auf Abstellgleis

Während Bundesverkehrsminister Óscar Puente vergangene Woche stolz den neuen Doppelstockzug für Madrid präsentierte, erhielt Málaga eine Absage. Die Antwort der Regierung auf eine parlamentarische Anfrage der Volkspartei (PP) ist eindeutig: Von den über 400 neuen Zügen, die Renfe bestellt hat, ist für die andalusische Küstenmetropole vorerst keiner vorgesehen. Die Begründung ist ebenso simpel wie beschämend: Die Bahnsteige sind zu kurz. Die sogenannten "Megacercanías" mit Längen von 100 bis 200 Metern passen schlichtweg nicht in die Stationen Los Boliches, Carvajal, El Pinillo, Plaza Mayor und Centro Alameda, deren Bahnsteige gerade einmal 80 Meter messen.

Hier offenbart sich das grundlegende Problem einer Verkehrspolitik, die in Hauptstadt-Zentren denkt und Peripherien vergisst. Während für Madrid 35 neue Stadler-Züge im Wert von 600 Millionen Euro bereitstehen und auch Katalonien mit einem 8,3-Milliarden-Paket bedacht wird, bleibt Málaga auf der Strecke – im wahrsten Sinne des Wortes.

Planlosigkeit als Prinzip

Die eigentliche Pointe dieser Farce ist die vollkommene Planlosigkeit. Zwar wird seitens des Infrastrukturbetreibers Adif in einem Kapazitätskatalog für 2027 vage von einer "Bahnhofserweiterung" gesprochen, wie das Fachportal Malagahoy.es berichtet. Konkrete Projekte, Ausschreibungen oder gar ein Zeitplan? Fehlanzeige. Ein Adif-Sprecher räumte ein, dass bis auf ein einziges Projekt für Plaza Mayor noch nichts in trockenen Tüchern sei.

Das ist mehr als nur eine administrative Nachlässigkeit; es ist eine politische Bankrotterklärung. Man kauft Hunderte neuer Züge, ohne die Infrastruktur für ihren flächendeckenden Einsatz sicherzustellen. Das Ergebnis: Eine Zwei-Klassen-Mobilität. Die einen fahren in modernen, barrierefreien Zügen mit Fahrradstellplätzen und Steckdosen an jedem Platz. Die anderen, wie die Pendler in Málaga, müssen sich weiterhin mit 17 Jahre alten Civia-Zügen begnügen, deren Lebensdauer zwar theoretisch noch nicht ausgeschöpft ist, die aber den Komfort- und Kapazitätsstandard der neuen Generation bei weitem nicht erreichen.

Die Rhetorik des Wartens

Die offizielle Argumentation der Regierung, wie sie in der parlamentarischen Antwort zum Ausdruck kommt, ist ein Lehrstück in beschwichtigender Bürokratensprache. Man betont, die Züge in Málaga seien "noch weit vom Ende ihrer Lebensdauer entfernt" und könnten den Dienst "mit voller Garantie" erbringen. Das mag technisch korrekt sein, verschleiert aber das eigentliche Versäumnis. Es geht nicht darum, ob die alten Züge noch rollen, sondern warum eine dynamische Region wie die Costa del Sol von der Modernisierung des Schienennetzes systematisch ausgeschlossen bleibt.

Während man in Madrid bereits die ersten fünf Einheiten der neuen Flotte in Empfang nimmt und auf den Betriebsstart wartet, und während in Katalonien – wenn auch mit Verzögerungen – neue Alstom-Züge ausgeliefert werden, bleibt für Málaga nur das Warten. Auf Pläne, auf Ausschreibungen, auf Baubeginne. Die notwendige Verlängerung der Bahnsteige auf mindestens 100 Meter, für einige Stationen sogar auf 200 Meter, ist ein rein logistisches Problem. Dass es nicht gelöst wird, ist eine politische Entscheidung.

Fazit: Mobilität braucht Gleichheit

Der Fall Málaga ist symptomatisch für eine unausgewogene Infrastrukturpolitik. Sie offenbart, wie leichtfertig das Versprechen einer modernen, nachhaltigen und inklusiven Mobilität für alle Regionen gebrochen wird, wenn es auf die harte Realität von Haushaltsplänen und politischen Prioritäten trifft. Neue Züge zu kaufen, ist der einfache, sichtbare Teil. Die unsichtbare, mühsame Arbeit liegt im Ausbau der Schienen, Signalanlagen und Bahnsteige. Solange diese Arbeit nur dort geleistet wird, wo der politische und mediale Druck am größten ist, bleibt die Verkehrswende ein Torso. Málaga verdient mehr als leere Bahnsteige und vollgestopfte, veraltete Züge. Es verdient einen Platz im 21. Jahrhundert.

Quellen: Die Informationen dieses Artikels basieren auf einer parlamentarischen Anfrage der PP und der offiziellen Antwort der spanischen Regierung, wie von Malagahoy.es recherchiert und veröffentlicht. Weitere Details stammen von Aussagen des Infrastrukturbetreibers Adif und Ankündigungen des Verkehrsministeriums.