Marbellas teuerste Antwort auf den falschen Druck

Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.

Marbella

Marbellas teuerste Antwort auf den falschen Druck

von Sabine Keller

Spitzhacken knallen auf Beton, Baggern arten aus. In Marbellas Stadtteil Pilar Miraflores beginnt ein Mammutprojekt. Mit 24,38 Millionen Euro ist die Neugestaltung des „Albergue Afrika“ die größte Investitur der Amtszeit von Bürgermeisterin Ángeles Muñoz. Ein neuer Komplex für Jugendtourismus, zwei Fußballplätze, ein Multifunktionsfeld, großzügige Grünflächen – und vor allem: 571 Parkplätze. Das ist die offizielle Version, wie sie das Rathaus und spanische Medien wie Diario Sur verbreiten. Die inoffizielle, unbequemere Wahrheit ist: Hier wird ein monumentales Pflaster auf die klaffende Wunde einer verfehlten Verkehrs- und Stadtplanung geklebt.

Der Mythos von der Entlastung

Die kommunale Argumentation ist simpel und auf den ersten Blick einleuchtend: Das Viertel leide unter extremer Parkplatznot, also muss eine unterirdische Lösung her. 288 Plätze werden an Anwohner verkauft, 203 für Kurzparkende bereitgestellt. Ein angrenzendes Provisorium für 140 Autos ist bereits geschaffen. Die Botschaft ist klar: Seht her, wir handeln! Doch dieser Aktionismus bekämpft nur Symptome, nicht die Ursache. Jeder Stadtplaner, der seinen Namen verdient, weiß: Mehr Parkplätze schaffen mehr Autoverkehr, sie lösen kein einziges Mobilitätsproblem, sie zementieren es. Marbella, eine Stadt, die im Sommer erstickt, setzt auf Costas del Sol erneut auf das Auto als vermeintlichen Heilsbringer. Das ist nicht visionär, das ist Kapitulation vor der eigenen Bequemlichkeit und dem politischen Druck der autofixierten Wählerschaft.

Wo bleiben die visionären Konzepte? Wo der massive Ausbau von effizienten, taktgebundenen Bussystemen, die diesen Stadtteil mit dem Zentrum verbinden? Wo die sicheren, durchgängigen Fahrradschnellwege? Stattdessen investiert die Stadt Millionen in Betonkuben für Blechkarossen. Man verhandelt lieber mit der andalusischen Regionalregierung – vertreten durch die Ratsmitglieder Carolina España und Loles López – über Grundstücksübertragungen und Parkplatzkontingente für das Jugendhostel, als ein umfassendes Mobilitätskonzept aus der Taufe zu heben. Die einzige „Gegenleistung“ für das Grundstück sind 80 reservierte Plätze für das Hostel. Ein schwacher Deal für die Zukunft.

Ein falsches Signal in Zeiten der Krise

Die Dimensionen sind absurde Normalität. Eine Bietergemeinschaft aus dem katalanischen Sorigué-Konzern und einer lokalen Baufirma verwandelt für Jahre die Nachbarschaft in eine Baustelle, um 2035 eine „grüne Lunge“ mit Schatten spendenden Bäumen zu schaffen – die natürlich erst einmal einer temporären Asphaltwüche für Baufahrzeuge weichen muss. Die Ironie ist bitter. Während Europa über Klimaresilienz und die Verkehrswende debattiert, gräbt sich Marbella tiefer in den Status quo ein.

Dieses Projekt ist mehr als nur ein Bauvorhaben. Es ist ein Symbol. Ein Symbol für die politische Kurzsichtigkeit, die immer dort ansetzt, wo der Druck am lautesten ist – und nicht dort, wo die Lösung langfristig und nachhaltig wäre. Man baut Autotempel, wo man Mobilitätsstationen bräuchte. Man schafft Beton, wo man Intelligenz benötigte. Wenn die letzten Bauzäune 2028 fallen, wird Marbella 571 Parkplätze reicher und eine Chance auf echten Fortschritt ärmer sein. Die Straßen von Pilar Miraflores werden sich dann für ein paar Monate, vielleicht ein Jahr, entkrampft anfühlen. Bis die neuen Plätze den nächsten Zuzug von Autos anlocken. Dann beginnt das Spiel von vorne. Nur teurer.


Quelle: diariosur.es