Symbolfoto: Dient der Illustration und ist nicht zwingend orts- oder personengebunden.
Mallorca vor dem Sommer der Entscheidung
Großdemonstration für den 26. Juli angekündigt
Die Plattform „Menys Turisme Més Vida“ hat für den 26. Juli 2026 eine Großdemonstration gegen die touristische Überlastung in Palma, Mallorca, angekündigt. Ziel der für 19 Uhr an der Plaça d’Espanya geplanten Kundgebung sei es, die Inselhauptstadt „zum Stillstand zu bringen“, wie die Aktivisten Dani Comas und Cristina Vaquero in einer Pressekonferenz erklärten. Hinter dem Aufruf stehen nach Angaben der Organisatoren mehr als 50 beteiligte Gruppen, darunter Gewerkschaften, Umweltverbände und politische Organisationen.
Ein „entscheidender“ Sommer vor den Wahlen
Die Aktivisten stufen den bevorstehenden Sommer als historisch bedeutsam ein. „Es ist ein entscheidender Sommer“, betonten Comas und Vaquero. Der Sommer 2026 sei die letzte Tourismussaison vor den für Mai 2027 anstehenden Parlamentswahlen, weshalb der politische Druck jetzt maximiert werden müsse. Sie machten die spanische Ministerpräsidentin Marga Prohens und den spanischen Regierungschef Pedro Sánchez direkt für die anhaltende Überlastung verantwortlich. Ihrer Ansicht nach praktizierten diese eine Politik der „falschen Eindämmung“, während sie in Wirklichkeit weiterhin auf touristisches Wachstum, Deregulierung und die Begünstigung wirtschaftlicher Interessen setzten.
Katalog an Vorwürfen: Von Wohnungsnot bis zum Eclipse-Event
Die Kritik der Plattform ist umfassend. Sie wirft der Politik vor, durch die Förderung des uneingeschränkten Tourismus eine beispiellose Wohnungskrise, eine Verschlechterung der Lebensbedingungen und die Zerstörung von Naturräumen zu verantworten. Besonders scharf kritisiert wird die steigende Zahl von Ferienwohnungen und der Einfluss internationaler Investmentfonds, die den Wohnraum für die einheimische Bevölkerung unerschwinglich machten. Als weiteres Symbol für die aus dem Ruder gelaufene Vermarktung nannten die Aktivisten die Vorbereitungen auf die totale Sonnenfinsternis am 12. August 2026. Dieses Naturereignis sei von der Tourismusindustrie bereits als Geschäftsmöglichkeit vereinnahmt worden, die alle Grenzen der Belastbarkeit sprengen werde, so die Befürchtung.
Sozialer Unfrieden als Dauerzustand
Laut den Veranstaltern handelt es sich bei den Problemen nicht mehr um saisonale Phänomene. Die tägliche Berichterstattung über kollabierende Infrastrukturen, überlastete öffentliche Dienstleistungen und die schwindende Möglichkeit, auf Mallorca eine Lebensperspektive aufzubauen, zeige, dass der Unmut zum Dauerzustand geworden sei. „Diese Probleme werden nicht mehr als punktuelle Episoden wahrgenommen, sondern als direkte Folge eines Wirtschaftsmodells, das das touristische Wachstum zum Selbstzweck gemacht hat“, heißt es in der Stellungnahme. Die angekündigte Demonstration am 26. Juli soll nur der Höhepunkt einer Reihe von Aktionen werden, mit denen ein „kämpferischerer Sommer“ eingeläutet werden soll. Die Organisatoren distanzierten sich ausdrücklich von reaktionären Narrativen, die Sündenböcke suchten, und betonten, die wahren wirtschaftlichen Verantwortlichen benennen zu wollen.
Quelle: Pressekonferenz der Plattform „Menys Turisme Més Vida“ und deren veröffentlichte Materialien.
Quelle: diariodemallorca.es